Kaugummiautomaten sind auf dem Rückzug, sie lohnen sich einfach nicht – Kaugummi kann man meist billiger im Supermarkt oder am Kiosk kaufen. Ich finde es ganz schön, immer mal welche zu sehen, die noch in Betrieb sind, das hat aber rein nostalgische Gründe, denn ich bin kein Kaugummikauer. 10 Pfennig kostete eine Kugel in meiner Kindheit, ein Fünftel meines ersten Taschengeldes und daher eine große Summe. Dementsprechend war so ein Automat eine sichtbare, aber verschlossene verheißungsvolle Schatzkiste, die sich nicht mit 5-Pfennig-Stücke überlisten ließ (ich gestehe: Ich habe es versucht).
Der erste Kaugummiautomat mit Kaugummikugeln wurde 1907 in New York aufgestellt, in Deutschland erst nach dem 2. Weltkrieg im Zuge der Amerikanisierung unserer Kultur.
Autor: Videbitis
Hohenzollernring
Nanu – was ist hier denn los? Überall Polizei, die 4-spurige Straße abgesperrt, ebenso wie die Hauptwege im Studentenviertel – ist denn schon wieder Karneval? Laut gröhlende Jugendliche, überwiegend männlichen Geschlechts, machen es schnell klar: Deutschland ist Weltmeister … ääh, nee, Kölns Verein hat ein Spiel gewonnen. Aber ist das nicht übertrieben, diese Nebensächlichkeit so zu feiern? Ah ja – der 1. FC ist wieder in der ersten Liga und darf sich zukünftig wieder von München, Bremen und Schalke blamieren lassen. Na denn – Prost!
Grüngürtel
Natürlich gibt es auch in der Großstadt Einwohner, die einen Garten haben, aber je näher es in die Innenstadt geht, desto weniger werden es. Entsprechend überfüllt sind die öffentlichen Grünanlagen, sobald sich die Sonne blicken läßt, aber meistens vertragen sich die Leute. Natürlich gibt es immer mal welche, die sich benehmen, als seien sie allein auf der Welt: Laute Musik auch für die Nachbarn, ohne die zu fragen, Fußballspielen mit voller Kraft – Pech, wenn man zufällig im Strafraum sitzt. In der Regel schnappt man sich seine Decke und zieht ein paar Meter weiter – Idioten sind meist unbelehrbar.
Mozartstr.
Das sind sogenannte Stolpersteine des Künstlers Gunter Demnig – man soll nicht im Wortsinn darüber stolpern, sondern sich daran erinnern, daß in dem Haus, vor dem sie im Boden eingelassen sind, einst Opfer und Verfolgte des Naziregimes gelebt haben. Die ersten Stolpersteine wurden in Köln ohne Genehmigung verlegt, nach einigen Streitereien einigte man sich aber, inzwischen gibt es über 1500. Die Aktion wurde auf andere Städte ausgedehnt, ca. 13000 Stolpersteine sind in 280 Städten und Gemeinden zu finden. Die Messinplatten, in die jeweils ein Name eingraviert wird, sind 10 x 10 cm groß und werden durch Spenden finanziert, ein Stein kostet 95 Euro. (Quelle: Wikipedia)
Blüte der Vollkommenheit
Wir wünschen Blüte der Vollkommenheit,
Auf daß der Schönheit Rose nie verdorrt,
Doch ist dem Tod die reife Frucht geweiht,
So pflanz‘ ein Erbe ihr Gedächtnis fort.
Du lebst nur dir, der Schönheit Selbstgenuß,
Schürst eignen Glanz, der dich verzehrend scheint,
Schaffst Hungersnot aus reichem Überfluß,
Grausam dir selbst gesinnt, dein eigner Feind.
Heut bist du noch der frische Schmuck der Welt,
Der einz’ge Herold für des Frühlings Reiz,
Doch wenn dein Schatz in einer Blüte fällt,
Wird zur Verschwendung, süßer Filz, dein Geiz.
Hab‘ Mitleid, birg nicht überreiche Gabe,
Der Welt Anrecht, in dir und in dem Grabe.
William Shakespeare (1564-1616)
Ampel
Manche Menschen verbinden mit der Aufforderung, zu warten, den Beweis der persönlichen Benachteiligung durch das Schicksal oder durch Gottes Fügung: Wann immer Zeit ungenutzt verstreicht, trifft es gerade und besonders sie, die tatenlos der Willkür anderer Mächte in Form von unpünktlichen Zügen oder unverläßlichen Mitmenschen oder roten Ampeln ausgesetzt sind. Man kann es aber natürlich auch anders sehen: Da man an der Wartezeit eh nichts ändern kann, ist es sinnlos, sich über sie zu ärgern, im Gegenteil, man sollte sie als geschenkte Aus-Zeit betrachten: Endlich ein Moment der Ruhe, eine gezwungene, aber dennoch vorhandene Gelegenheit zur inneren Einkehr, mal nicht jederzeit reden und zuhören, immer auf dem Sprung – was passiert jetzt, und dann und dann … Wartezeit ist süßer Moment des Nichtstuns, manchmal so entspannend, daß wir vergessen, weiterzufahren, obwohl die Ampel schon längst auf Grün gesprungen ist, daß es fast stört, wenn der erwartete Freund entschuldigungsreich doch noch eintrifft.
Die eine Ampel aber, die, die da jeden Morgen verhindert, daß ich rechtzeitig zur Arbeit komme, wenn ich da immer, wenn ich vor ihr gewartet habe, in einem Buch gelesen hätte, dann hätte ich „Krieg und Frieden“ schon zehn mal lesen können!
Ausflug ins Siebengebirge (4)
Wie angenehm der Weg hinunter vom Petersberg (jedem, der mir schwer atmend entgegenkam, streckte ich innerlich die Zunge aus: Ätsch, ich war schon oben).
Immer dem blauen Zeichen nach führt der Weg über die Mondwiese, kurz darauf – wieder bergauf, den Geißberg hinauf. Täusche ich mich, oder grinsen die entgegenkommenden Wanderer unverschämt?
Die Mühe hat sich gelohnt: Ein schöner Blick ins Rheintal …
und auf den Drachenfels, wo einst der Drache gewohnt haben soll, den Siegfried aus der Nibelungensage getötet hat.
Genug gestaunt – der Magen gähnt, der ausgezehrte Körper schreit nach Kalorien – wo, bitte, ist die nächste Gaststätte? 800 Meter nur, bergab zum Milchhäuschen, das so heißt, weil von hier aus früher die Versorgung der umliegenden Güter mit Milchprodukten geregelt wurde.
Heute ist es eine Gaststätte mit großer Terrasse mitten im Wald, man kann hier auch Räume und Rasenflächen für größere Feiern mieten.
Wie man sieht, beherrscht der Koch nicht nur die rheinische Küche, sondern ist auch bewandert in der Zubereitung internationaler Spezialitäten. Mir hat’s geschmeckt.
Nun noch ein halbstünstiger Fußmarsch bergab nach Königswinter – der Zug scheint auf uns gewartet zu haben – adios, Siebengebirge. Insgesamt ein gelungener 1. Mai, auch wenn mich der Muskelkater, dieses Monstrum, noch nach drei Tagen plagt.