On Tour (1)

Eine Freundin und ich hatten am Wochenende ausnahmsweise ein Auto zur Verfügung, also zögerten wir nicht lang und fuhren nach Windheim, um das hier zu sehen:

Na ja, jedenfalls fast, denn in dem Horst fehlen die Vögel, Störche, um genauer zu sein. Windheim liegt an der Weser westlich von Hannover (tatsächlich gehört es noch zu NRW), ein kleines Dorf in einem Gebiet, in dem es von Storchenhorsten nur so wimmelt, und das wir deshalb per Internet ausgesucht haben, weil es hier ein Storchenmuseum gibt.

Das kleine Museum in der ersten Etage eines umgebauten Bauernhauses ist sehr liebevoll eingerichtet, hier findet man alles, was irgendwie mit Störchen zu tun hat, und sogleich nimmt einen ein Führer unter seine Fittiche und verschenkt gleichermaßen großzügig kleine Täfelchen Schokolade und interessante Informationen:

So ein Horst kann mehrere Tonnen schwer werden, denn Störche sind nesttreu, bauen aber immer wieder an, so daß der Horst von Jahr zu Jahr schwerer wird.
Neben Schautafeln und Infos über alles Storchenmögliche gibt es auch Kurioses, z.B. kleine Scheren:

Und auch Kalif Storch darf natürlich nicht fehlen:

Fortsetzung folgt

Berrenrather Str.

Und was, bitte, ist das? Eine Skulptur? Ein Gebäude? Gut geraten – es ist beides: Eine Kirche, in den 60ern des letzten Jahrhunderts entworfen vom Bildhauer Josef Rikus. Der Stil ist angelehnt am Betonstil der damaligen Zeit und sollte durch das Material mit den Neubauten der nahen Universität korrespondieren, denn die „Kirche Johannes XXIII.“ gehört zur katholischen Hochschulgemeinde.

Das verschachtelte Gebäude erinnerst an den frühen Kubismus 50 Jahre zuvor und wirkt deplaziert zwischen all den Zweckbauten, jedesmal wenn ich daran vorbeifahre, denke ich: Oh Gott! – und vielleicht ist ja genau das beabsichtigt. Schön finde ich es nicht, aber interessant.

Im Netz habe ich folgendes Zitat gefunden vom damaligen Hochschulpfarrer und Professor Wilhelm Nyssen: „Bau als Zeichen der Andersheit gegenüber den alltäglichen Lebensvorgängen ist zugleich Zeichen der Zwecklosigkeit des reinen Spiels. Dieser Gedanke alarmiert die Künste und läßt sie bis zum Äußersten an Strenge und Eindeutigkeit, eben an Umsetzung ins Zeichen gewinnen. Aber „Ort der Andersheit“ bezeichnet keinen willkürlichen Akt des Menschen, etwa einen vom Alltag reservierten Bau, der nur für Gebete und geistliche Konzerte bestimmt ist. Ort der Andersheit heißt Ort, an dem die Feier der Mysterien, der Auftrag Jesu vollzogen wird, durch dessen Erfüllung sich erst Kirche in allem Wandel der Verhältnisse konstituiert.“ Mit anderen Worten: Mir gefällt’s auch nicht, aber egal, Hauptsache Jesus und das ganze Pipapo.

Im Park am Decksteiner Weiher

Manchmal ist es schon so warm, da schleppt man sich mühsam in den Schatten und läßt sich schlapp fallen, alle Viere von sich gestreckt. Aber kaum will man sich daran gewöhnen, die Jacke bleibt schon mal zu Haus: Wolken! Auch schön, aber wie wär’s, wenn die mal Urlaub machen? Meinetwegen können sie in den Süden fliegen …

Zollstockhöfe

„Rad- und Mopedfahrer frei“ – aha, wie gut, daß ich zu Fuß bin, denn daß hier Mopeds hineingefahren sind, ist sicher schon lange her.

Und auch Fahrradfahrer hätten besser einen anderen Weg genommen, denn am anderen Ende des völlig vollgemüllten Weges kommt man hier heraus:

In einem Garten der neu gebauten Zollstockhöfe, eine große Neubausiedlung mit Eigentumswohnungen.

Dreizimmerwohnungen zwischen 82 und 91 qm, ich vermute, sie kosten um 200.000 Euro. Größtenteils sind sie bereits verkauft, aber würde ich hier wirklich wohnen wollen? Hm – ich weiß nicht … eher nicht. Immerhin: Die Autos sind unterirdisch untergebracht, und in der Balkongestaltung ist man völlig frei.

Rathenauplatz

Wenn man richtig Durst hat, nach Feierabend sich im zentralen Park trifft, um die letzten Sonnenstrahlen zu genießen – dann schmeckt sogar Kölsch. Wieso man das hiesige Bier allerdings in übergroßen Reagenzgläsern serviert, ist mir schleierhaft – aber dann auch egal. Prost!

Sommerabend

Sommerabend

Faltenlos sind alle Dinge,
Wie vergessen, leicht und matt.
Heilighoch spült grüner Himmel
Stille Wasser an die Stadt.

Fensterschuster leuchten gläsern.
Bäckerläden warten leer.
Straßenmenschen schreiten staunend
Hinter einem Wunder her.

… Rennt ein kupferroter Kobold
Dächerwärts hinauf, hinab.
Kleine Mädchen fallen schluchzend
Von Laternenstöcken ab.

Alfred Lichtenstein (1889–1915)

Richartzstr.

479,- Euro für ein Unikat von Coco de Bale, ca. 30 cm hoch – warum nicht, wer’s mag … Irritiert hat mich allerdings der Titel des Kunstwerks: „Ballerina“. Der Tänzerin, die da Modell gestanden hat, würde ich in keinem „Pas de deux“ begegnen wollen.

Dominikanerkloster in der Lindenstr.

Die Kirche des Dominikanerklosters, 1904 erbaut, 40 Jahre später in Schutt und Asche gelegt, aber bereits 1947 bis 52 wieder aufgebaut, ist von Innen recht schlicht gehalten, Farb- und Lichtakzente sind sparsam und wirkungsvoll eingesetzt.

Und auch von Außen fällt das Gotteshaus kaum auf, dieses Tor ist das Markanteste der ganzen Fassade, und hätte es nicht wie neulich weit offen gestanden, würde ich vielleicht immer noch achtlos daran vorbeigehen.

Was man aber dringend einmal renovieren sollte, ist das:

Wer, zum Teufel, ist für diese Decke verantwortlich? Genau der, oder? Oder der Zeitgeschmack der 50er Jahre? Okay, dann ist es natürlich ein historisches Dokument, und mir kann es ja auch egal sein – ich denke dabei nur an die Dominikaner … vielleicht könnte man sie wenigstens zuhängen …

Sonntagnachmittag

Was macht man an einem verregneten Sonntagnachmittag in der Großstadt? Man spielt Herbst von seiner angenehmen Seite: Die Museumsbuchhandlung lädt wie immer zum Stöbern ein. Dann läßt man alle Starbucks und Bäckereikettencafés links liegen und geht schnurstracks ins Antik-Café, um bei ausgezeichnetem Kuchen und Milchkaffee seine Nase in die Neuerwerbungen zu versenken. Der Tag ist gerettet.