Es ist wieder soweit: Die Stadt rüstet auf. Große Betonbarrieren, die mit Stahlseilen miteinander verbunden sind, werden an neuralgischen Stellen plaziert, damit LKW-Attentäter wie in Berlin und Nizza keine Chance haben. 2.500 Polizisten, zum Teil mit Maschinengewehren ausgestattet, werden gleichzeitig durch die Stadt patroullieren und darauf achten, ob der zur Cowboyverkleidung gehörende Revolver auch wirklich ein Spielzeug ist. Gegen die abertausenden Wildpinkler, betrunkenen Gröler und Flaschenschmeißer werden sie vermutlich nicht einschreiten, schade eigentlich. Stattdessen will man „verdachtsabhängige“ Personenkontrollen durchführen – ich rate, das Gesicht besser nicht dunkel zu schminken und auf passende Verkleidung zu dem Lied „Die Karawane zieht weiter“ zu verzichten.
Ich bin wie immer auf der Flucht zu dieser Zeit, wieder mal im interessanten Berlin. Euch eine schöne Zeit, bis in zwei Wochen.
PS: Das Denkmal im Hintergrund zeigt den Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings, 1942 bis 1969 hatte er das Amt inne. Berühmt wurde er durch ein Tätigkeitswort, das aus seinem Namen gebildet wurde: Fringsen. Im ersten Nachkriegswinter, der sehr kalt war, sagte er in einer Silvesterrede zum weit verbreiteten Kohlenklau auf Güterzügen: „Wir leben in Zeiten, da in der Not auch der Einzelne das wird nehmen dürfen, was er zur Erhaltung seines Lebens und seiner Gesundheit notwendig hat, wenn er es auf andere Weise, durch seine Arbeit oder durch Bitten, nicht erlangen kann.“ Das bedeutete: Mundraub wurde kirchen-ethisch legitimiert. Was? Das wußtet ihr schon, olle Kammelle, die ich euch hier auftische? Aber das wußtet ihr noch nicht: Derselbe Erzbischof setzte „sich für die Wiedereinstellung ehemaliger NSDAP-Mitglieder ein und unterstützte die ‚Stille Hilfe‘, die Kriegsverbrechern zur Flucht verhalf“ (Wikipedia).