Alter Markt / Rathaus

Nicht nur wegen der schönen gelben Farbe habe ich hier vorgestern ein Bild des U-Bahnzugangs Appellhofplatz gepostet, sondern auch, um den Gegensatz zur jüngst eröffneten U-Bahnstation auf dem „Alter Markt“ zu zeigen: Erstere wurde 1969 erbaut, die neue in diesem Jahr. Ich vermute, das futuristische Design dient noch einem weiteren Zweck: Der Rettung vor dem Weltuntergang, der ja nun nur noch ein paar Tage entfernt ist.

Wenn wir schon ein Ufo, mit dem wir evt. fliehen können, in der Deckenkostruktion der neuen Haltestelle verbauen, mag man sich im Rathaus gedacht haben, dann muß der Bau auch rechtzeitig fertig werden. Einen anderen sinnvollen Grund für die Eröffnung vor wenigen Tagen gibt es nämlich nicht: Die Strecke zwischen dieser vorübergehenden Endhaltestelle und dem Bahnhof ist genau 525 Meter lang. Wer also am Bahnhof zusteigt, braucht mit Betreten der einen und Verlassen der anderen Station zuzüglich Warte- und Fahrzeit im Schnitt ca. 10 bis 15 Minuten und muß dafür 1,80 bezahlen. Wer die gleiche Strecke oberirdisch in normaler Geschwindigkeit zu Fuß geht, braucht 5 Minuten. Der Betrieb dieses Abschnitts kostet – ein paar Millionen, von genauen Zahlen wird in letzter Zeit nicht mehr öffentlich geredet.

Ein paar Millionen, die hier fehlen: Das ist einer der beiden Ausgänge auf dem „Alter Markt“. Vorher stand hier ein Haus, das man wegen der U-Bahn aber abgerissen hat, eigentlich hatte man vor, ein neues zu bauen, inklusive Treppenaufgang und Fahrstuhl, der die Fahrgäste nicht nur auf den „Alter Markt“ bringt, sondern auch auf die nächst höhere Ebene des Rathausvorplatzes. Daraus wird nun erstmal nichts, kein Geld mehr da. Aber, so heißt es beruhigend, das sei nur ein „Provisorium“ (damit kenn man sich hier aus, schließlich wurde der Dom in seiner über 600jährigen Bauzeit auch provisorisch genutzt), und man verfolgt eine bestimmte Strategie, die ich auch kenne: Wenn ich nur Schulden habe, mir aber etwas kaufen möchte, dann rufe ich das in die Welt hinaus und warte auf einen Investor, der das für mich übernimmt. Gut, bei mir hat sich noch nie jemand gemeldet, aber die Stadt läßt sich nicht beirren und macht das genau so – gerade noch rechtzeitig vor dem Fest, vielleicht hat der Weihnachtsmann ja Interesse.
Oder – die Welt geht unter am nächsten Freitag, dann geht’s sowieso los mit dem verbuddelten Ufo, und dann ist es ganz gut, daß nur eine Holzbaracke darüber steht. Wenn die am Bugarach das wüßten …

0 Antworten zu “Alter Markt / Rathaus

  1. Ja, hatte ich schon gelesen, aber trotzdem danke.

    „das gesetz von der unaufhörlichen zunahme der entropie im all besagt, dass alles sich so lange sterbend verwandeln wird, bis es sich ausgestorben hat, und das in der größtmöglichen unordnung…“ – steht da in einem Deiner Kommentare. Wann warst Du in meiner Wohnung? 😉

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  2. Architekten ist grundsätzlich alles zuzutrauen, man muß ja nur durch die Städte gehen …

    Freitag kann man die Gegend im TV bewundern, es gibt auf Arte eine „dokumentarische Komödie“ über Bugarach zu sehen: „Das 190-Seelen-Dorf Bugarach liegt westlich von Perpignan am Fuße des Pech de Bugarach, einem beeindruckenden Berghang, der die südwestfranzösische Weinregion Corbières überragt. Keiner kennt den Ursprung des Gerüchts, aber es verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Internet: Bugarach soll der einzige Ort auf der Erde sein, der vom Untergang der Welt verschont bleibt, der laut Maya-Kalender auf den 21. Dezember 2012 fällt. Journalisten aus allen Ländern, aber auch Orientierungslose, Mystiker, Neugierige und selbst ernannte Gurus fallen seit dem Aufkommen dieses Gerüchts wie Heuschrecken in das gesamte Tal ein.
    Filmemacher Rémi Lainé verbrachte mehrere Monate in Bugarach, vom tiefsten Winter bis zur Sommersonnenwende, zeitweise in Begleitung des Schriftstellers Nicolas d’Estienne d’Orves, der ein Buch zum Thema schreibt. Sie beide wollen wissen, wie die Bewohner von Bugarach auf die Aufregung rund um ihr Dorf reagieren. Zu Wort kommen der charismatische Bürgermeister des Ortes, eine entschlossene Schäferin, ein kauziger Einsiedler, eine freundliche Krämerin und die Stammgäste der Dorfkneipe. Das Fazit der Gespräche lautet: In Bugarach bleibt man gelassen und kontert mit gesundem Menschenverstand.“ Trittst Du auch auf? Um 16.50 Uhr, ich werd’s nicht verpassen.

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  3. …ich trete nicht auf, bin aber gerne bereit, Autogramme zu geben…

    …ich find‘ es ja unglaublich, dass sich solches in meiner Heimat abspielt, da war mein Umzug damals sehr zielgerichtet aufs Überleben gerichtet…und ich bin natürlich bestens informiert und halte den Kontakt aufrecht…schließlich muss ich wissen, ob mich die Außerirdischen dann empfangen oder es bei den gewöhnlichen Leuten bleibt…

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