Minibib im Stadtgarten

Seit ein paar Wochen gibt es im Stadtgarten, einem zentrumsnahen Park, „Minibib“, das Bücherbüdchen. Knapp 18 qm groß, beherbergt es gut 1000 Bücher, zumeist Taschenbücher für Erwachsene, aber auch Kinderliteratur, aus dem Mehrfach-Bestand der Stadtbibliothek. Das Besondere an der „Minibib“: Jeder Passant kann hineingehen, sich genau ein Buch (also nie mehrere gleichzeitig) aussuchen und ohne jede Formalität, wie z.B. Ausweis oder Quittung, mitnehmen. Der Entleiher wird gebeten, das Buch nach spätestens zwei Wochen wieder zurück zu geben. Sollte doch mal ein Buch für immer „verschollen“ bleiben, dann, so hofft man, wird es auf anderem Wege die Lesebereitschaft fördern. Soviel Idealismus und Vertrauen – wäre ich der König von Deutschland, ich würde ihnen dafür augenblicklich einen Orden verleihen, den höchsten, den es gibt. Das Projekt (nach einem Vorbild aus Lissabon das zweite in Europa) wird vom „Förderverein Stadtbibliothek Köln e.V.“ getragen, die 15 ehrenamtlichen MitarbeiterInnen stehen nicht nur zur Beratung und Betreuung zur Verfügung, sondern organisieren auch Lesungen für Kinder.

0 Gedanken zu “Minibib im Stadtgarten

  1. Ja, würde mir genauso gehen! Vorbildlich!
    Übrigens in Berlin: „Buchladen für Bedürftige“. Da konnte jeder sich 1-2 gebundene und bis zu 5 TBs mitnehmen, umsonst, ein ehrenamtlich geleitetes Projekt. Das Beste: die hatten unglaubliche Bücher, teils Kinderbücher aus den 70ern, Beltz & Gelberg und so weiter, Kostbarkeiten!
    Da ich nicht bedürftig war, habe ich statt dessen andere ausgelesene Bücher dorthin gebracht.
    Fand ich toll, gibt es aber wohl nciht mehr.
    In Hye on wye gab es ja den Honesty Bookshop, alle Bücher zum Mitnehmen, Geld legte man in eine kleine Schüssel.
    In England geht so was.
    Übrigens ist mir das schon oft aufgefallen, da wo Vertrauensvorschub geleistet wird, fühlen sich die meisten Leute schäbig, wenn sie dann „klauen“, je mehr aber schon erwartet wird, daß man unehrlich ist, desto geschieht’s auch. Die Läden mit den Spiegeln und dem Spitzelsystem sind immer die, wo am meisten eingesackt wird.

    Übrigens, das wäre ein Projekt für mich: mit Menschen reden, ihnen Bücher schmackhaft machen, Kinder, Lesungen! Da steht quasi mein Name drüber.

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  2. Ja, da heißt es immer: Egoistische Ellbogengesellschaft, jeder ist nur auf seinen eigenen geldwerten Vorteil bedacht, überall Kameras, da die ganze Bevölkerung verdächtigt wird, unsozial und kriminell zu sein – und dann ein solches Projekt. „Buchladen für Bedürftige“ ist auch nicht schlecht, aber irgendwann hat man wahrscheinlich Probleme mit dem Nachschub, oder?
    Im Moment ist die Begeisterung so groß, daß die Zahl der Interessenten für eine ehrenamtliche Tätigkeit in der „Minibib“ den Bedarf übersteigt – ich bin gespannt, wie sich das entwickelt, angelegt ist es jedenfalls erstmal auf 10 Jahre.

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