9. November 1938

Auch diese Synagoge wurde heute auf den Tag genau vor 70 Jahren in der sogenannten Reichsprogromnacht verwüstet.

11.000 jüdische Opfer allein aus Köln kostete die Nazibarbarei. Obwohl die Nazis gegen Ende des Krieges versuchten, ihre Untaten zu vertuschen, indem sie alle Unterlagen verbrannten, konnten sie nicht verhindern, daß jemand eine geheime Abschrift der bürokratisch ordentlich geführten Opferlisten anfertigte.

Diese Synagoge (Außenansicht hier) ist die einzige von sieben, die nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.

In die Kirchenhalle wurde ein Zwischenboden gezogen, im unteren Teil befinden sich nun Verwaltung, Gemeinderäume und ein koscheres Restaurant, in das man jedoch – genau wie in die Kirche überhaupt – nur nach Voranmeldung kommt.

Inzwischen hat die Gemeinde, besonders durch osteuropäischen Zuzug, wieder 4000 Mitglieder, und auch in anderen Stadtteilen gibt es jüdische Treffpunkte.

Die Synagoge wird fast ständig von der Polizei bewacht und mit Videoanlage und Gittern abgesichert.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ B. Brecht

0 Gedanken zu “9. November 1938

  1. Interessantes Fenster, aber sehr beunruhigend.
    Ja, die neunen November der Deutschen Geschichte. Seltsame Sache das.
    Daß Synagogen (in Berlin dasselbe) immer rund um die Uhr bewacht werden müssen, finde ich besonders entsetzlich und bedenkenswert.

    Like

  2. Das ist eine wunderschöne Synagoge. Bei uns ist es nicht anders, denn die Synagogen sind auch ständig polizeilich bewacht. Ob man hineingehen darf, weiß ich gar nicht. Frauen dürfen ja nicht unten im Kirchenraum sein. So viel ich weiß, muss man sich als Frau oben auf die Balustrade setzen. Ein bisschen schrullig eigentlich, oder?

    Like

  3. Ja, das wurde bei der Führung auch gefragt, ob diese Diskriminierung nicht unzeitgemäß sei. Nein, war die Antwort des männlichen Führers, nach alter Tradition sei ja nur die Trennung der Geschlechter vorgesehen, damit man sich nicht von anderen (lustigeren?) Dingen ablenken ließe, daß die Frauen (wie auch hier) hinten auf der Balustrade sitzen müßten, sei nicht zwingend, man könne es jederzeit ändern, indem man den Kirchenraum der Länge nach teilt und durch einen Vorhang etwa trennt – wenn man denn will. Aber die Frauen legten angeblich keinen Wert darauf, und wo kein Kläger … so einfach denkt man sich die Welt.

    Like

  4. Man könnte sich als Frau auch einen Strumpf über den Kopf ziehen, damit wir niemanden ablenken.
    Man folgt eben strikt Traditionen und hinterfragt sie nicht. Ich überlege mir gerade, ob das positiv zu sehen ist. Falls ja, melde ich mich wieder.

    Like

  5. Man muß sich doch auch fragen, was die Männer, die sich das ausgedacht haben, für ein Selbstbild haben: Normalerweise wird über alles, was einen Rock trägt und nicht bei drei auf den Bäumen ist, hergefallen, das ist die männliche Natur, und weil das während des Gottesdienstes doch etwas störend wäre, müssen die Geschlechter eben getrennt sitzen. Aha – verstehe.

    Like

Hinterlasse eine Antwort zu LaWendeltreppe Antwort abbrechen