Hänneschen am Eisenmarkt

Das Hänneschen-Theater ist ein Mundart-Puppentheater mit langer Tradition. Schon seit 1802 finden regelmäßig nachmittags Kinder- und abends Erwachsenenvorstellungen statt. Die Figuren werden jeweils an einem Stock geführt, eine weitere Stange bewegt den rechten Arm. Während der 5. Jahreszeit werden Karnevalssitzungen persifliert, in der Vorweihnachtszeit führt man Krippenspiele auf. Die Hauptfiguren sind das Hänneschen, seine Schwester/Freundin (je nach dem Alter des Publikums) Bärbel, Tünnes und Schäl und andere, manchmal werden auch, wie bei Spitting Image, lebende Personen karikiert.

Der Stadtführer Martin Stankowski weiß zu berichten: „Zur Wiedereröffnung [am Eisenmarkt] am 31. Juli 1938 spielte man die Geschichte der alten Stockpuppen-Bühne nach. Dabei trat ein Bösewicht und Halsabschneider auf, der die Gründung des Hänneschen fast verhindert hätte, eine ausbeuterische und habgierige Person in Gestalt des jüdischen Pferdehändlers Abraham Schmul. Solche antisemitischen Tendenzen waren keine Ausnahmen in der Zeit […]“.

0 Gedanken zu “Hänneschen am Eisenmarkt

  1. Antisemitus war zu Buschs Zeiten, der ja bereits 1908 starb, weit verbreitet. Ich habe neulich gelesen, daß schon Kaiser Wilhelm II., der uns den 1. WK eingebrockt hat, vom verschwörerischen „internationalen Finanzjudentum“ geredet hat. Der institutionalisierte Antisemitismus der Nazis jedoch hat nochmal ganz andere Ausmaße.

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  2. Vielleicht hattest du als Kind auch das Buch „Hatschi-Bratschi Luftballon“. Ich wollte es sehr, irgendwie manifestierte sich damals schon der Wunsch durch die Welt reisen zu wollen.
    Nun aber abgesehen vom Näherbringen anderer Kulturen, wäre es heutzutage nicht möglich, Bücher mit diesem Inhalt zu publizieren. Stattdessen gibt es jetzt Kinderbücher, mit dem Inhalt, dass einem Maulwurf am Kopf gesch…en wird und ich habe bis jetzt noch immer nicht den pädagogischen Hintergrund dafür finden können, geschweige denn, warum dies zum Kinderbuchbestseller wurde. Singt man eigentlich noch 10 kleine Negerlein im Kindergarten?

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  3. Das Buch kenn ich nicht, das mit dem Maulwurf glücklicherweise auch nicht – mein erstes war eine Kinderausgabe von Tom Sawyer, dessen bester Freund war Nigger Jim, ein netter Kerl, so einen hätte ich auch gern gehabt. Als ich dann ungefähr zu der Zeit einem Schwarzen auf der Straße begegnete, erklärte ich meiner Mutter lauthals: Schau mal, ein Nigger – da war das Theater groß.
    Kann sein, daß das noch gesungen wird, glaub ich aber nicht. Agatha Christi hat mal einen Krimi geschrieben mit dem Titel „Ten little negroes“, der heißt jetzt „Ten little Indians“, die peu a peu umgebracht werden – irgendwie scheint man es mehr zu akzeptieren, wenn Inder oder Indianer einem gewaltsamen Tod zum Opfer fallen als Schwarze. In der BRD ist man da aber nicht so wählerisch: Die Übersetzung heiß immer noch „Zehn kleine Negerlein“. Übrigens ein recht guter Krimi.

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  4. Nachdem mir eine gestandene Mutter versichert hatte, Kinder fänden das Buch vom „Maufwurf, der herausfinden wollte …“ unheimlich lustig, kaufte ich es meinem 3-jährigen Patenkind. Es wurde ihm noch am selben Tag vorgelesen, er runzelte die Stirn und verzog angewidert das Gesicht.

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  5. … wieder eine liebevolle Kombi aus Info und Bild. War letzte woche mal wieder zwei Tage in Kölle und habe den netten singsang der leute genossen 😉
    Schöne Tage wünscht BodoW

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  6. Wäre interessant zu wissen, was sich der Jim von der Straße damals gedacht hatte. Weißt du, man getraut sich ja nicht einmal einen Murrli (so sag ich zu den Leuten – aber in liebevoller Weise! – Berlusconi sagt „gut von der Sonne gebräunt“) zu fragen, wie schlimm für ihn dieser und jener Ausdruck ist. Man geht so derartig unentspannt mit gewissen Dingen um, das ist schon schauerlich und hilft wenig in der Sache.
    Das mit Agatha Christie wusste ich gar nicht, aber zeigt wieder einmal die verlogene Gesellschaft. Warum hat man den Title nicht auf African Americans geändert, oder British Africans, oder coloured Member of the Commonwealth. *mit finger auf stirn tipp*

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  7. Jenau wejen dem hab ich die weibliche Stimme meines Navis „Bärbelschen“ getauft. Und die männliche Version „Manes“. Wäre schön, wenn die Beiden auch noch Kölsch könnten.

    Schöne Seite, ich komme ab jetzt öfter mal gucken – ich liebe Köln!

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