Diese Fahrräder der Deutschen Bahn stehen überall in der Stadt herum, wenn man eins braucht, kann man es sich schnappen und fahren, wohin man will. Paradiesische Zustände? Von wegen – die Bahn ist ein profitorientierter Betrieb. Man muß sich einmalig per Internet registrieren lassen. Wenn man dann ein Rad braucht, ruft man die Nummer an, die auf dem Rahmen steht und bekommt einen Freischaltcode mitgeteilt, den man auf einem am Rad angebrachten Display eingibt. Wenn man nicht mehr fahren will, schließt man ab, und das Display teilt einem wiederum einen Code mit, den man telefonisch an die Station weitergeben muß. Die Benutzung kostet 8 Cent pro Minute, aber nicht mehr als 9 Euro am Tag, eine Woche 60 Euro. Ein paar kleine Regeln muß man natürlich noch beachten, sonst entstehen Mehrkosten, z.B. muß man das Rad immer im Bereich einer Kreuzung abstellen, die innerhalb eines bestimmten Kernbereichs liegt.
Monat: April 2008
Apropos Cöln – The Concept Store, Mittelstr.
Ist ja wohl voll Asi, diese dicke Kette, könnte jetzt der ein oder andere denken (Asi ist übrigens ein Wort, das ich erst in Köln kennengelernt habe und abwertend u.a. jene bedauernswerten Menschen bezeichnet, die aufgrund von Arbeitslosigkeit nur wenig Geld haben und dennoch mit oft unglücklicher Wahl versuchen, mit der Mainstreammode Schritt zu halten). Tatsächlich verkehren hier nur Reiche (und Leute, die mal staunen wollen, so wie ich), die ausgestellte Ware ist deshalb nicht ausgezeichnet, weil man wohl davon ausgeht, daß Preise für die Besucher dieses Ladens eh keine Rolle spielen. Ich würde es ja gern sehen, wenn beide Farben zur gleichen Zeit an den Füßen getragen werden, an jedem Arm ein Täschchen, vielleicht kreuzartig angeordnet?
Kirmes
Ich hatte vergessen, was mich besonders an diesen Märkten nervt: Der Lärm. Aus allen Buden und Fahrgeschäften schallt neben lauten elektronisch produzierten Signalen und Sirenen eine Art von Popmusik, die extra für diesen Trubel geschrieben worden zu sein scheint, unterbrochen nur vom Gequassel des Anheizers, der unglaubliche Kicks verspricht.
Uff, da braucht man erstmal eine Stärkung. Sehr fettig, die Kartoffelpuffer (hier auch „Riievkooche“ genannt), mit Apfelmus, na ja, kann man essen.
Es ist wahrscheinlich genetisch festgelegt, daß man mit zunehmendem Alter vorsichtiger wird, weshalb die Geschwindigkeit des Riesenrads das Äußerste wäre, was ich mir an Geschwindigkeit der Fahrgeschäfte zumuten würde – wenn da nicht die Höhe wäre …

Es ist mir völlig schleierhaft, wie man freiwillig 4 Euro dafür bezahlen kann, um in diesem Kettenkarussel in einer Höhe von 55 Metern herumgewirbelt zu werden – mich würden da keine zehn Pferde reinkriegen.
Gürzenichstr.
Zu meiner Überraschung war gestern verkaufsoffener Sonntag in der City, warum, weiß ich nicht, irgendein Anlaß muß ja eigentlich immer gegeben sein, um die Sonntagsruhe zu stören. Meine Spaziergangsbegleitung kam auf die Idee, mal eben nach ganz bestimmten Hemdchen zu sehen, und bei der Gelegenheit konnte ich feststellen, daß Unterhosen für Männer dort 19,95 Euro das Stück kosten und zwei Jahre Garantie haben. Zwei Jahre – kein Scherz! Ob man die zwischendurch waschen darf, oder erlischt die Garantie sonst?
Josef-Haubrich-Hof
Die Stadt hat eine große Bibliotheksdichte: Universitäts-, Fachhochschul-, Musikhochschul-, Sporthochschulbibliothek, Deutsche Zentralbibliothek für Medizin, Museumbibliotheken und und und. Auf diesem Bild ist die örtliche Stadtbibliothek (eine sogenannte „Öffentliche Bibliothek“ im Gegensatz zu den „Wissenschaftlichen Bibliotheken“, die aber auch öffentlich sind) im Stadtzentrum. Die Benutzung ist, da die Stadt der Träger ist, leider nicht gebührenfrei, 23,50 Euro im Jahr kostet die Mitgliedschaft, aber es lohnt sich, der Bestand verteilt sich auf fünf Etagen, die Auswahl ist sehr groß. Besonders gern halte ich mich in der Audio- und Videoabteilung auf: Viele, viele CDs und DVDs, da findet man immer etwas: Rock, Pop, Jazz und Klassik neben Filmklassikern, Fernsehserien und Actionfilmen.
Fleischmengergasse
Diese Gläser nennt man Kölschstangen, und wenn man mit ihnen diejenigen Behältnisse assoziiert, die in gewissen Labors zum Auffangen verdauter Flüssigkeiten zwecks Untersuchung auf Diabetes etc. dienen, dann, so behaupten böse Zungen, hat man auch schon in etwa eine Ahnung des Geschmacks der Flüssigkeit, die man hier für Bier hält. Serviert werden die Gläser im Kölschrad: Das Getränk läuft einfach so aus einem Fäßchen in das erste Glas, und wenn es voll ist, dreht man das Rad einfach ein Stück weiter usw., bis das letzte Glas gefüllt ist. Nachschenken (von Zapfen kann man eh nicht reden) braucht man nicht, es ist so wenig Kohlensäure vorhanden, daß die Gläser sofort voll sind.
Manche Leute trinken Kölsch gemischt mit Cola, nach dem Motto: Schlimmer geht immer, das nennt man dann zu Recht „Drecksack“.
Rudolfplatz
Ist das etwa eine Aufforderung zur Gewalt? Militanter Antiamerikanismus? Nein, ich interpretiere das als eine Mahnung an ein Land (gemeint ist Deutschland), das an einem Krieg beteiligt ist, der völkerrechtlich ungesetzlich ist, von dem die Bevölkerung aber unmittelbar nichts merkt und sich deshalb kaum für ihn interessiert. Wir sind nicht unmittelbar betroffen, also geht es uns nichts an. Aber was wäre, wenn plötzlich wir dieselben Erfahrungen machen müßten wie die Bevölkerungen der Länder, an deren Besetzungen wir beteiligt sind?
Die Interpretation, da läge bloß jemandem der Hamburger quer im Magen, ist vielleicht auf den ersten Blick naheliegend, kann ich aber ausräumen: Das Klebegraffito findet man überall in der Stadt, in verschiedenen Größen.
Brüderstr.
Antoine Bourdelle (1861 – 1929), zeitweise ein Assistent Rodins, schuf diese Plastik im Jahre 1887 (erster Guß 1925). Sie stellt Sappho dar, die bedeuendste Lyrikerin der Antike aus dem 7. Jahrhundert v. Chr., die auf der griechischen Insel Lesbos lebte und lehrte.
Bourdelle hatte großen Einfluß auf die Bildhauerei seiner Zeit, bedeutende Künstler wie z.B. Alberto Giacometti und Aristide Maillol waren seine Schüler.
Die Skulptur steht sinnigerweise vorm Schauspielhaus und neben der Oper.
Berrenrather Str.
Da strampeln die Leute sich ab, um Erster zu werden beim Radfahren, Marathonlaufen, Schachspielen, Tauben- und Kaninchenzüchten etc. und um den Siegerpokal in Händen halten zu dürfen. Dabei ist es so einfach, eine Trophäe zu ergattern: Man geht in diesen Laden, läßt Champion oder 1. Platz für was auch immer eingravieren, dann noch den eigenen Namen – und ohne jede Mühe hat man die schönste Sammlung zu Hause stehen. Ich z.B. war schon mal Sieger im Stepptanzwettbewerb, Schachstadtturnier, Fahrradbalance, Gewinner bei DSDS und bester Nachwuchspianist in NRW (den Pokal zeige ich nicht gern, die Leute wollen sofort was hören), außerdem hatten meine Alpakakaninchen die meisten Haare pro Quadratzentimeter. Auf eine Auszeichnung bin ich allerdings besonders stolz: Ich bin der beste Erzähler von Seemannsgarn diesseits der Küstenregion.
Vorgebirgsstr.
Hm – was soll man dazu sagen? Wenn ich Kölns Fremdenverkehrsdezernent wäre, würde ich wahrscheinlich fragen, welcher Idiot dafür verantwortlich ist, die Plakate ohne Rücksicht auf die Umgebung aufzuhängen. Als Antwort würde ich wahrscheinlich bekommen, dieser Platz sei halt auch sehr gut zum … ääh … zum … also, für die Hunde, z.B., Auslauf und so, kennt man doch. Und wenn man will, kann man sogar selbst darauf hin- und herlaufen. Donnerwetter! – was für ein Platz.