Lütticher Str.

Die mittelalterliche Stadtmauer wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur als überflüssig, sondern auch als beengend empfunden, also wurde sie bis auf ein paar markante Punkte geschleift. Die Kölner Ringe wurden angelegt (die Mehrzahl täuscht, es ist ein Ring mit streckenweise verschiedenen Bezeichnungen), daran anschließend ein Areal zur Bebauung freigegeben, das noch heute Neustadt heißt (siehe auch hier). Die Bürgerhäuser wurden im Gründerzeitstil gebaut, der seine Formen in der Architektur des sogenannten Historismus fand, d.h. es wurden vielfach Stilelemente vergangener Epochen miteinander verbunden und zu einem eigenen Charakter entwickelt. Das Bild zeigt ein Beispiel, Wohnungssuchende achten in den Anzeigen auf den Begriff ‚Altbau‘, wenn sie in solch einem Haus wohnen möchten, natürlich möglichst zeitgemäß renoviert. Das Bild ist aber auch typisch für etwas anderes: Die meisten Häuser dieser Art wurden zerstört, das einheitliche Bild, das die Neustadt früher gehabt haben mag, ist unwiederbringlich vernichtet, stattdessen geben die Gründerzeithäuser nur noch eine Ahnung davon, wie es mal ausgesehen hat – wenn ich könnte, würde ich mich für einen Spaziergang in die 20er Jahre zurückbeamen, um ein Bild der Stadt vor den verheerenden Zerstörungen der Kriegsbomben zu bekommen.

6 Gedanken zu “Lütticher Str.

  1. Die Wiener Ringstraße ist natürlich ein ganz anderes Kaliber – ich würde mich nicht wundern, wenn sie für die Kölner ein Vorbild war, auch wenn die Ausführung viel kleiner ausfallen mußte. Bei wikipedia gibt’s einen eigenen Eintrag für die Wiener Ringstraße.

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  2. schon klar 😉 Ich sollte mal wieder nach Wien fahren und dort flanieren und fotografieren gehen und mir im Museum den Jahreszeiten-Zyklus von Pieter Brueghel ansehen (die Lohnarbeit ist des Menschen Feind und vernichtet Lebenszeit, die man doch wirklich sinnvoller verbringen könnte :-/ )

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