Luxemburger Str.

Hä?! – was soll das denn? Nix zu sehen auf dem Bild. Noch passiert ja auch nichts, aber gleich, gleich geht’s los, wenn das Licht gedämmt wird, der Vorhang geht auf, und wenn die Werbung vorbei ist, ist es endlich da: Kino!!
Das „Weißhauskino“ ist ein Familienbetrieb, die Süßigkeiten und Getränke werden gleich an der Kasse mitgekauft, der Kartenabreißer ist ein ca. 12-jähriger Junge (jedenfalls nachmittags). Das Programm ist ambitioniert, viel französische Filme, aber auch internationale kleine Produktionen, die vermutlich kein großes Publikum finden, werden hier in zwei Sälen gezeigt. Nur ab und zu, vermutlich, um nicht einzugehen, gibt es Blockbuster à la ‚Harry Potter‘. ‚Betty Blue‘ war wahrscheinlich der Lieblingsfilm des Besitzers, denn der lief monatelang im Sonntagsmatiné, und zur Zeit läuft nebenbei ein Charles-Bronson-Festival … warum auch nicht, Mut zum Ausgefallenen. Ich hoffe, das Kino gibt es noch lange, obwohl es bestimmt schwierig ist, es zu halten.

Ausflug: Siegburger Weihnachtsmarkt

Natürlich bin auch ich nicht frei von Weihnachtssentimentalität, besonders nicht, wenn sie einem so schön abgerungen wird wie hier.

Siegburg ist ein ein kleiner Ort ungefähr 25 S-Bahn-Minuten entfernt von meiner Stadt. Ein Kaff (die Siegburger mögen mir verzeihen), in dem ich nicht begraben sein möchte, aber der alljährliche mittelalterliche Weihnachtsmarkt ist eine kleine Reise wert.

Es gibt fast nur Handwerksarbeit zu kaufen, elektrisches Licht mußte Kerzen- und Petroleumslicht weichen (weshalb fast alle Fotos nichts geworden sind) und Bratwurst ist verpönt – stattdessen gibt es frisch gekochte Hausmannskost: Linsensuppe, Fleischspieße und Spätzle mit Pilzsoße. Der Glühwein ist echt gewürzt und heißt euphemistisch Liebestrank, und es gibt sogar Met. Zwischendurch spielen Schausteller in mittelalterlichen Gewändern auf der Bühne Musik der Renaissance auf Dudelsäcken und Trommeln und machen für die Kinder allerlei Faxen. Ich find’s nett.

Hauptbahnhof

Sehnsuchtsort Bahnhof, der Ort, an dem Sehnsüchte entstehen – wegfahren, aufbrechen, fort fort … wohin? Egal, ins Bessere, erstmal in Bewegung sein, alles hinter sich lassen, dem persönlichen Eldorado entgegen.

Alles hinter sich lassen? Wohl kaum, das eigentliche Problem bleibt immer im Gepäck, vorm „Ich“ ist auch mit ICE und Thalys keine Flucht möglich …

Aachener Weiher

Unbekümmert vom Großstadtlärm zieht er seine Kreise …

Der Schwan
Diese Mühsal, durch noch Ungetanes
Schwer und wie gebunden hinzugehn,
Gleicht dem ungeschaffnen Gang des Schwanes.

Und das Sterben, dieses Nichtmehrfassen
Jenes Grunds, auf dem wir täglich stehn,
Seinem ängstlichen Sich-Niederlassen – :

In die Wasser, die ihn sanft empfangen
Und die sich, wie glücklich und vergangen,
Unter ihm zurückziehn, Flut um Flut;
Während er unendlich still und sicher
Immer mündiger und königlicher
Und gelassener zu ziehn geruht.

Rainer Maria Rilke, 1906

Moltkestr.

Ho,ho,ho … es ist doch noch gar nicht Nikolaus! Aber darauf kommt es mir auch gar nicht an, ich möchte nur zeigen, daß es auch in der Großstadt Privathaushalte gibt, die keine Mühen und Kosten scheuen, ihren Mitbürgern mit großformatigem Weihnachtskitsch auf die Nerven zu gehen. Quot erat demonstrandum.

Lützowstr.

Man könnte viel sinnieren über den Zusammenhang von Werbung und Kunst der Moderne (das Plakat läßt auf den ersten Blick viele wahrscheinlich eher an Haarkosmetika denken), auf diesem Werbeplakat jedoch, das z.Z. überall in der Stadt zu sehen ist und besonders gut in den drei Meter hohen und von innen beleuchteten Schaukästen zur Geltung kommt, macht die Kunst nur für sich selbst Reklame.
Ich finde, die Stadtverwaltung sollte das dauerhaft so machen: Als ständige Wechselaustellung sollten für jeweils zwei Wochen immer neue Reproduktionen von Kunstwerken in den Schaukästen aushängen, so kommt Farbe ins Straßenbild, man freut sich und ist gespannt auf das nächste, man wird vielleicht neu- und wißbegierig. Aber nein – bald werden wir wieder darüber informiert, daß irgendeine x-beliebige hiesige Biersorte besser schmecken soll als alle anderen. Dabei wissen alle ganz genau, daß keine einzige die Bezeichnung ‚Bier‘ verdient …

Am Mediapark

Kalt, Regen, grau in grau, Advent, Heizung läuft – aber es geht auch anders, liebe Kinder! Wißt ihr noch, wie das war, vor ein paar Monaten? Vorbei am Spielplatz hinter dem Mediapark, an den Gleisen entlang, eintauchen in den Stadtpark auf dem Weg zum Biergarten. Nicht verzweifeln: Sechs Monate noch, dann sieht es wieder so aus.