Hohenzollernring

Die „Schatzsuche“ in Abfallbehältern ist im großstädtischen Bereich eine immer häufiger anzutreffende Neben- oder Hauptbeschäftigung – Hartz IV macht es nötig. Gesucht und oft gefunden werden leere Bierflaschen. Das verdankt sich einem anderen Phänomen: Die Getränke in den Kneipen sind den jungen Leuten zu teuer, und wenn das Wetter es zuläßt (also fast immer), kommen sie zum Trinken auf die Straßen, kaufen sich Flaschenbier an einem der zahlreichen Kioske, die es alle 10 Meter gibt, und lassen dann die leeren Flaschen auf der Straße stehen oder werfen sie in den Abfall, von wo sie dann von den Sammlern wieder eingesammelt und dem Pfandkreislauf zurückgegeben werden. Nichts, wofür die Sammler sich schämen müßten, beschämend ist es allenfalls für eine reiche Gesellschaft, die solche Phänomene über den Einzelfall hinaus erzeugt.

Im Hintergrund sieht man die Betonplastik „Ruhender Verkehr“ von dem Fluxus-Künstler Wolf Vostell (im Inneren befindet sich tatsächlich ein – also einbetoniertes – Auto).

4 Gedanken zu “Hohenzollernring

  1. Der Kreislauf, den du hier beschreibst, besteht auch 2010, aber ich fürchte, soviel können die jungen Leute bald nicht mehr saufen, um das wachsende Heer der Flaschensammler zu ernähren. Vorgestern saß ich etwa eine knappe Stunde am Maschsee in Hannover. In dieser Zeit wurde der Abfalleimer neben der Bank dreimal durchsucht. Zwei dieser Flaschensammler wirkten wie verarmte Akademiker. Unfassbar, wie es mit diesem Land bergab geht. Aber es ist so, wie du bei mir im Blog gesagt hast: Mit diesem Zustand sind wohl immer noch viele Leute hochzufrieden und kümmern sich nicht um diese Anzeichen des Niedergangs.

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  2. Weil es, wie auch schon vorher in der Domstr., einen Parkplatz besetzt hat (soviel ich weiß), wie es Vostell eigentlich auch wollte. Allerdings fand die Stadtverwaltung das blöd und hat es deswegen auf einen Platz gesetzt, wo es niemanden stört.

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