7 Gedanken zu “Lichtspiel in der Pfarrkirche Köln-Stammheim

  1. Uff …Du willst es also wirklich wissen? Mensch, Du machst mir Mühe. Aber gut, ich hab’s ja angeboten. Ich kann Dir aber nur erklären, wie ich es verstehe. Also: Ein Foto dokumentiert immer irgendwas, z.B. wer alles auf der Geburtstagsparty von Tante Erika war, wie man früher einmal ausgesehen hat und wo man im Urlaub überall gewesen ist, wieviele Baustellen es in der Stadt gibt etc., alles auf einen Zeitpunkt im Foto eingefrorene Augenblicke, an die man sich bei späterer Betrachtung der Bilder mehr oder weniger gern erinnert. Manchmal läuft man aber durch die Gegend und sieht etwas, was einen ästhetisch berührt oder bezaubert, durch Zufall, oder weil man danach sucht. Dann denkt man oft genug: „Mensch, ist das schön! … wenn ich jetzt einen Fotoapparat dabei hätte.“ Das nenne ich die Poesie des Augenblicks: Das Besondere im Alltäglichen, das übrigens voll davon ist, wenn man genau hinsieht. Die Ästhetik der Situation in ein Foto umzuwandeln ist oft gar nicht so einfach, den es gelten hier ganz ähnliche Regeln wie in der Malerei: Ist das Bild harmonisch gegliedert, wohin führen die Linien, brauche ich einen Vorder-, Mittel- und Hintergrund, damit es an Tiefe gewinnt, stimmen die Farben, die Perspektive usw. Weiter stellt sich die Frage, ob ich vielleicht absichtlich eine oder alle Regeln verletzen will, um einen anderen Effekt zu erzielen, und wird das dann auch vom Betrachter verstanden? Ein verwackeltes Bild kann unter Umständen sehr aussagekräftig sein.

    Ob ich es schaffe, die Poesie des Augenblicks in einem Bild auch für andere Betrachter sichtbar zu machen, weiß ich nicht, ich kann es nur hoffen. Vielleicht sehe ich ja nicht ‚richtig‘ und produziere nur Kitsch, der die Absicht zeigt, allein, es fehlt das Können … aber ich kann natürlich nur das machen, was mir selbst gefällt, weitgehend unabhängig von allen Urteilen. Fotos, die zum Verharren auffordern, in dieser schnellen massenmedialen Zeit zu veröffentlichen mit dem Ziel, neben der reinen Dokumentation (=Eine Stadt, zwei Seiten) poetische Momente zu vermitteln, ist extrem schwierig, es gibt einfach zu viele Fotos und Videoclips. Ich weiß genau, daß der größte Teil der Leute, die auf Youtube.com mein Videoclip über den Willy-Millowitsch-Platz anklicken, wahrscheinlich innerhalb kürzester Zeit entnervt weiterklicken, weil eineinhalb Minuten nichts passiert und auch danach sehr wenig. Aber darauf kann ich natürlich keine Rücksicht nehmen – leider genauso wenig, wie auf Deine Erwartungshaltung, wenn Du „Lichtspiel in der Pfarrkirche Köln-Stammheim“ liest und nur ein Foto vorfindest, auf dem scheinbar nichts Besonderes passiert. Wenn es Dir nicht gefällt, gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Dir fehlt die Geduld, der Sinn, die Antenne dafür, zu erfassen, was dargestellt ist, oder es ist ganz einfach ein doofes, mißglücktes und langweiliges Foto. Ohne Scheiß: Ich weiß es wirklich nicht, ich weiß nur, daß es mir gefällt und daß ich zumindest formal keine Fehler gemacht habe (natürlich kann genau das der Fehler sein, schwierig schwierig).
    Darüber hinaus gilt natürlich: Jede Kritik ist besser als keine Kritik, deshalb nehme ich das durchaus ernst und belustigt zugleich zur Kenntnis.

    Zur Veranschaulichung, was ich unter „Poesie des Augenblicks“ verstehe, hier noch ein Beispiel aus dem Film „American Beauty“. Die Szene ist vielleicht ein bißchen zu deutlich, zu forciert, wenig subtil – um so deutlicher versteht man, was gemeint ist.

    Viele Grüße

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  2. Ja, das ist schwer, die Poesie des Augenblicks einzufangen. Zumal alles Mögliche der Situation selbst fehlt: in welcher Stimmung man war, mit wem man da war, akustische Eindrücke, Jahreszeit, Temperatur … Somit wird man eh niemals genau das vermitteln, was man selber mit dem Motiv verbindet, in jedem Kopf ensteht (bestenfalls) ein eigenes Bild. Aber egal, ich finde dieses Foto sehr schön. Aber ich bin auch ein Fan von „American Beauty“ 🙂

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