Urlaub in Süd-Devon, England – Torre Abbey

Die Torre Abbey, ein Mönchskloster von 1196 in Torqay, wurde gerade renoviert und vor einigen Monaten eröffnet, man riecht geradezu noch die frische Farbe an den Wänden. Vielleicht ist es diesem Umstand zu verdanken, daß es noch nicht allzu bekannt ist und sich die Besucherströme sehr in Grenzen halten. Es beherbergt Kunst aller Epochen auf mehreren Etagen.
Draußen kann man die alten Ruinen bestaunen …

… und im hübschen Garten lustwandeln.

Auf der Eingangsebene gibt es erstmal ganz Altes:

Und am Ende eines Ganges eine kleine Kapelle.

Im Treppenhaus schon Kunst … gut, was man hat, kann man ja ruhig mal hinstellen (und wenn es auch nur Gipsfiguren sind).

Ah ja – da geht’s lang …

… in die Ausstellungsräume. Die Vitrine ist noch leer.

Aber das macht nichts. Die Räume sind sehr liebevoll gestaltet.

Hier hängt auch die Mutter des Künstlers (nicht die von Whistler, den Namen habe ich leider vergessen, aber ungefähr die gleiche Zeit).

Aber auch Modernes, kubistisch angehaucht …

… und im Flur Abstraktes. Ein wildes Sammelsurium, wenig aus den jeweiligen Epochen, aber mit viel Liebe und Besitzerstolz aufgehängt. Sehr charmant und reizvoller als so manches große Museum.

Spätes 20. Jahrhundert, die Heizung. Aber auch das Treppenhaus: Stilvoll.

Nanu – eine Christo-Ausstellung?

Ein abschließender Blick nach draußen: Da unten stehen Café-Tische, nix wie hin.

Urlaub in Süd-Devon, England – Exeter Cathedral

Die englische Gotik (hier ab 1224, 24 Jahre vorm Kölner Dom) baut nicht so hoch wie die kontinentale, dafür mehr in die Breite und Länge:

Die Kirche hat mit 100 Metern das längste ununterbrochene Gewölbe der Welt – sehr beeindruckend.

Unzählige Schlußsteine laden ein zum Sattsehen …

… und steifem Nacken.

Die Uhr ist von 1480, als die Sonne sich noch um Mond und Erde drehte – hat auch funktioniert, man wußte trotzdem immer, wie spät es ist.

Seid umarmt, Millionen! Aber ist das nicht schön?

Die Ärmste liegt ein wenig steif, aber ohne Totenkopf hätte es nicht die selbe Wirkung.

Kleines Rätsel: Wieso spiegelt sich der Fotograf nicht? Garantiert keine Retusche.

Vor riesigen Orgelpfeifen liegt dieses Paar, der mächtige Löwe zu seinen Füßen ist Attribut seiner außerordentlichen Männlichkeit. Die beiden sterbenden Schwäne symbolisieren die große Liebe zwischen den beiden, die nun leider auch zu Ende ist.

„Ich bin das Licht der Welt“, hat Jesus mal gesagt, das war um 1600 ein beliebtes Motiv (in Köln hängt ein ähnliches Bild), besonders , weil es sich gut dazu eignete, die von dem Maler Caravaggio entwickelte Methode des starken Licht/Schatten-Kontrastes auszuprobieren.

Orgel und Chorgestühl – die roten Lampen verraten auch neuzeitliches Stilbewußtsein.

Urlaub in Süd-Devon, England – Essen und andere Kuriositäten

Wer in England lecker Essen gehen gehen will, sollte ein indisches Restaurant besuchen. Als Urlauber und Ethnologe sollte man aber tolerant probieren, was der Einheimische angeblich zu sich nimmt. Den Anfang macht das „Full English Breakfast“ (Breakfast heißt nicht Brechfest, auch wenn es ein bißchen so aussieht, sondern Frühstück):

Die Bohnen schmecken süß, das Würstchen fettig, der Speck salzig. Da krieg man Durst, unterwegs kommt einem ein Eis deshalb gerade Recht … seltsam, ein Rieseneis, das ein kleines Eis ißt, das erinnert mich an den Cartoon, wo ein Huhn am Frühstückstisch sitzt und dabei ist, ein Ei zu köpfen.

In den Geschäften kann man heimische Handwerkskunst erwerben.

Mittags braucht man aber was Handfestes, das englische Nationalgericht sind: Fritten, die hier Chips heißen, hier mit gebackenem Teig und Erbsen … gut, in dem Teig ist Fisch, aber von der Menge her kaum der Rede wert. Dafür sind die Erbsen soo trocken, wie ich sie bisher noch nie gegessen habe. Eine interessante Erfahrung.

Der Nachwuchs wird früh mit den kulinarischen Kulturgütern vertraut gemacht.

Beim Flanieren bewundert man stilistisch extravagante Schaufensterdekorationen.

Uff – da müssen wir uns erstmal stärken. Leckere Scones mit Clotted Cream (einer extrafettigen Sahne), Erdbeermarmelade plus Tee …

… ohne Scones *räusper*. Doch, wirklich lecker, hier welche von einer anderen Gelegenheit:

Der Engländer hat Humor. Wenn er seinen Chef besuchen will, wird geraten, die Flasche Wein als Mitbringsel lustig herzurichten: „Reinpussypissen Katzenpiss“ steht auf einem der klebbaren Label, oder auch „Penis Grigio“. Der Chef wird sicher sofort eine Beförderung aussprechen.

Man kann nicht immer Scones essen.

Aber das ist doch wirklich stilvoll: Rote Mülleimer im Grünen ergeben einen schönen Effekt.

Die Eimer sind allerdings nur für einen Zweck reserviert, anderer Müll darf hier nicht hineingeworfen werden (dafür möchte ich als Müllmann nicht zuständig sein):

1000 Pfund Strafe!!! Ich wünschte, hier wäre man auch so konsequent! ( – das ist übrigens kein Lagerfeuer hinter dem Hund).

Ich weiß nicht, warum, aber mir fällt gerade noch eine andere Spezialität ein:

Frisch hergestelltes Fudge, Weichkaramell mit verschiedenen Geschmacksrichtungen, wirklich sehr lecker. Oder doch lieber ein Malteser-Eis?

Schmeckt aber nicht wirklich gut. Also noch einen Tee (uff – ich kann nicht mehr …).

Was noch? Ach ja – die Frage, wem man dieses gefährliche Spielzeug schenken soll:

Urlaub in Süd-Devon, England – Jurassic Coast

Jeder kennt den „Jurassic Park“, wer aber die „Jurassic Coast“? Dieser Abschnitt an der südenglischen Küste, hier bei Sydmouth, hat eine Länge von ca. 150 km.

Er wurde 2001 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen und gilt als „Gebiet von außerordentlicher natürlicher Schönheit“ – zu Recht, wie ich finde.

Wenn ein Dino auftaucht, kann man schnell die Rettung anrufen …

… die Helfer kommen dann schnell angerollt – und haben sogar einen Eimer dabei!

Ich werde mir übrigens das Haus am oberen Rand kaufen. (- im nächsten Leben.)

Urlaub in Süd-Devon, England – Dartmoor

Das Dartmoor ist eine Hügellandschaft von 650 qkm und großteils als Naturschutzgebiet deklariert. Schafe und Kühe laufen frei herum, weshalb man auf den engen Straßen nicht nur auf entgegenkommende Autos achten muß, unvermittelt können die Tiere nach einer Kurve widerkäuend auf gleicher Augenhöhe vor einem stehen.

Die Landschaft ist zum Teil recht karg, oft diesig und ungemütlich, aber dennoch beeindruckend.

Man findet hier Zeugnisse prähistorischer Zivilisation wie z.B. diese einfache Brücke im Vordergrund in dem 3-Häuser-Dorf mit dem sinnigen Namen „Two Bridges“.

Berühmt geworden ist das Dartmoor durch den weltweit meistgelesenen Roman „Der Hund der Baskervilles“ des Sherlock-Holmes-Erfinders Conan Doyle, den er in Princtown schrieb, dem Ort, in dem sich auch das berüchtigte Dartmoor-Gefängnis befindet. Durch diese Tür sollte man nicht gehen müssen.

Falls man doch das zweifelhafte Vergnügen hat: Hier kann man sich schon mal ein Zimmer aussuchen.

So sieht’s von Innen aus (es folgen zwei abfotografierte Fotos, ich selbst war nicht drin):

Auch für Freizeitvergnügungen ist gesorgt.

Und manchmal entkommt doch einer —- hm … der Name kommt mir irgendwie bekannt vor. 5 Pfund Belohnung (ca. 6 – 7 Euro), das kann kein gefährlicher Verbrecher sein, den zu verraten lohnt sich nicht.

Aber vielleicht kann er schon mal üben und sich so ein Messer aus Streichhölzern bauen (die Nadel unten in der Vitrine sollte dazu benutzt werden, den Wärtern, die durch das Guckloch schauten, ins Auge zu stechen – steht jedenfalls auf dem Zettel, der dabei liegt. Hoffentlich kein Werkzeug von Dietmar).

Urlaub in Süd-Devon, England – Friedhof Torquaye

Ich gehe gern auf Friedehöfe, sie sind Orte der Stille außerdem ist es interessant zu sehen, wie sie sich unterscheiden. Gleich hinter dem Eingang befinden sich Kindergräber, ich weiß nicht, ob die später noch umgebettet werden oder ob hier vor kurzem etwas Schlimmes passiert ist, jedenfalls sind es recht viele.

Die Beigabe von Lieblingsspielzeug erinnert an altägyptische Begräbnisriten …

und steht in reizvollem Kontrast zum Umgang mit den Gräbern der Erwachsenen – schiefe Grabsteine sind eher die Regel, und pflegeintensive Beete gibt es gar nicht. Sehr sympathisch, hier möchte ich auch begraben werden.

An einigen Stellen sieht es fast so aus, als befände man sich noch auf dem unordentlichen Hof des Steinmetz.

Noch hundert Jahre, und man wird sehen, ob die Flügel ihn halten.

Ungewollter Pflanzenschmuck, aber schön.

Nähmaschinen-Singer ist hier gelandet, nebst einem Teil seiner Familie (mindest 24 Kinder von fünf verschiedenen Frauen – und das sind nur die, von denen man weiß. Eine seiner Frauen soll übrigens das Modell für die Freiheitsstatue gewesen sein, heißt es bei Wikipedia).

Diese beiden Grazien stehen nicht bei Mr. Singer, hätten aber gleichwohl gut zu ihm gepaßt.

Urlaub in Süd-Devon, England – Brixham

In Brixham, dem kleinsten der drei Orte an der Torbay, waren wir zweimal: Beim ersten Mal hat es wie aus Eimern geschüttet:

Beim zweiten Mal war der Himmel blau, die Sonne schien angenehm warm.

Die Statue stellt William III. dar, König von England Ende des 17. Jahrhunderts, der hier von Holland kommend landete und die Worte sagte: „Die Freiheiten Englands und die protestantische Religion werde ich beibehalten.“ Unter seiner Regentschaft wurden die „Bill of Rights“, das grundlegende Dokument der parlamentarischen Idee, durchgesetzt. Mir gefallen seine letzten Worte besser: „Kann das lange dauern?“ fragte er seinen Leibarzt, bevor er verstarb.
Gleich nebenan befindet sich ein Nachbau der „Golden Hind“.

Das war das Schiff von Francis Drake, dem Piraten der Königin Elizabeth I., mit dem er von 1577 – 1580 durch die Karibik schipperte und Beute machte. Auf dem Schiff lebten 70 Leute, das kann nicht angenehm gewesen sein, dafür waren die erbeuteten Schätze umfangreich: Die Hälfte des königlichen Anteils reichte aus für die Mobilisierung der englischen Flotte für den erfolgreichen Kampf gegen die übermächtige spanische Armada, eine Seeschlacht übrigens, an der Drake auch maßgeblich beteiligt war.

Es ist schon bemerkenswert: Ein uriges Örtchen mit dem Charme alter Fischerdörfer wird so heiß geliebt von den Touristen, daß es sich komplett verändert – kein Haus, in dem unten kein Laden ist, der irgendeinen billigen Scheiß anbietet. Es gibt genug Orte, die das nicht überstehen – Brixham schon:

Urlaub in Süd-Devon, England – Rundwangerweg bei Salcombe

Viel Küstenabschnitte der britischen Insel sind hervorragend als Wanderwege ausgebaut, allerdings sollte man gut zu Fuß sein: Es geht die Felsenküste auf und ab, das ist manchmal recht anstrengend, dafür erhält man einmalig schöne Aussichten. Los geht’s am Nordstrand von Salcombe.

Hinein ins Landesinnere soll man ein typisches englisches Reetdachhaus bewundern (sagt unser Buch) – hübsch, das erste, das ich hier sehe.

Diese Landschaft – herrrrrlich!

„… und dann gehen Sie zickzack über ein Feld, gehen durch eins der Tore, dann nach links …“ – ich hasse solche Wegbeschreibungen. Was soll das heißen, zickzack? Zick nach links, zack nach rechts, oder umgekehrt? Glücklicherweise ist der Weg mit gelben Pfeilen gut ausgeschildert.

Genau da wollen wir hin: Zum berühmten Bolt Head.

Nix für Rollstuhlfahrer, gutes Schuhwerk ist von Vorteil.

Nun immer geradeaus an der Küste entlang geht’s zurück zum Ausgangspunkt. An einigen Stellen gibt es ein Geländer, das die Unfallstatistik vermutlich positiv beeinflußt. Wegen der guten Segelbedingungen gehört die Gegend hier zur teuersten von ganz England (behauptet unser Landlord).

Geschafft: Nach drei Stunden ist der Südstrand von Salcombe erreicht.

Zeit für eine Pause, an der Bude gibt es Tee und Sandwiches. Der junge Mann ist auch erschöpft, stärkt sich aber lieber mit einem Eis.

Urlaub in Süd-Devon, England – Event

Jemand hat gesagt, wir sollten zum Hafen gehen, „at six o’clock …. (unverständliches Gebrabbel)“. „Pardon?“ wiederholten wir die von uns häufigst gesprochene Frage – die Antwort war leider wieder unverständlich. Also bedankten wir uns überschwenglich für den tollen Tipp und fanden uns um 6 am Hafen ein. Viele Leute hier …

… und hier auch. Wir waren gespannt.

Läuft einer auf dem Wasser? Taucht ein U-Boot auf? Projektionen am Himmel? So ähnlich:

Hübsch, die bunten Streifen in den Farben der englischen Fahne.

Auch wenn ich bei Flugshows immer ein leicht mulmiges Gefühl kriege, wegen des Unglücks bei Ramstein.

Und weg sind sie wieder.

Urlaub in Süd-Devon, England – Torquay

Ein Blick in die Tageszeitung: Das sieht gar nicht gut aus.

Aber die ca. 60.000-Einwohner-Stadt Torquay, die sich malerisch über 40 Hügel verteilt, liegt im Bereich des sogenannten Mikroklimas, d.h., selbst wenn es ein paar Meilen weiter regnet und stürmt, kann hier das beste Wetter sein. So kommt es unter den Hiesigen zu einer für den Auswärtigen unverständlichen optimistischen Einstellung.

Viel Tourismus natürlich …

… von dem auch die Fußgängerzone profitiert …

… mit vorausschauenden Sonderangeboten:

Den Blick etwas abseits gelenkt sieht man typisch Englisches.

Da wird so eine Art Boule gespielt, mit Bouwling-großen Kugeln, alles sehr professionell, alle Spieler in Weiß auf eigens angelegten Plätzen.

Und da ist auch ein Stück blauer Himmel: