Urlaub im Schwarzwald (6): St. Blasien

In St. Blasien machen wir einen Tag Wanderpause. Ein schönes kleines Städtchen …

… mit vielen Cafés und Restaurants …

… einem Pavillon, wo eine Blaskapelle üben darf spielt …

… vielen historischen Gebäuden, die zu einer großen Klosteranlage gehören oder gehörten …

… vielen Kunstwerken im öffentlichen Raum …

… aber auch architektonischen Sünden, wie dieses Albtraumhaus an der Alb mitten in der Stadt.

Das wichtigste Gebäude, das dem Ort seine Bedeutung verleiht, ist natürlich der Dom (Blick von meinem Hotelzimmer). Eigentlich ist die Bezeichnung Dom nicht richtig, denn ein Dom ist immer mit einem Bischofssitz verbunden, dieser Kirche stand lediglich ein Abt eines Klosters vor und müßte demnach ein Münster sein – aber egal, Dom klingt bedeutender, also bleibt es so.

Und sie ist wirklich überwältigend, vielleicht ein bißchen viel Kirche für die paar Leute, die 1783 hier lebten. Als die Vorgängerkirche einem Feuer zum Opfer fiel, wollte man mit einem Prunkbau dem Pantheon in Rom nacheifern, und unter Umgehung der Hierarchie sprach der Architekt Pierre Michel d’Ixnard direkt bei Kaiserin Maria Theresia vor (St. Blasien war damals österreichisch), die den Bauplan abnickte.

Darüber war der Abt so erbost, daß er den Vertrag des Architekten nach Ablauf noch während der Bauzeit nicht verlängerte. Tja, so ist das mit befristeten Arbeitsverträgen.

Vielleicht hat der dann das Haus mit einem Fluch belegt, denn viel Glück hatten die Kirchenoberen nicht mit ihrem neuen Prachtbau: Bereits 1806, also schon 23 Jahre nach Fertigstellung, wurden Kirche und Kloster von Napoleon säkularisiert (also geplündert und – sprichwörtlich – mit Füßen getreten, die Mönche verjagt), die Gebäude als Maschinenfabrik genutzt.

1874 brach erneut ein Feuer aus und zerstörte fast die gesamte Klosteranlage, die Kuppel stürzte ein, die gesamte Inneneinrichtung der Kirche verbrannte. 1913 war alles wieder aufgebaut, 1946 bezog ein Jesuitenkolleg die Klosterräume, die im Jahr 1977 erneut einem Großbrand zum Opfer fielen. Nur die Kirche konnte diesmal vor dem Feuer gerettet werden.

Am Abend lauschten wir einem Chor. Der Eintritt war frei, aber es wurde den Besuchern dringend und mehrmals nahegelegt, beim Hinausgehen mindestens 10 Euro zu spenden (der Ton versprach mindestens 100 Jahre Fegefeuer, würde man das unterlassen). So mogelt sich die Amtskirche an der Steuer vorbei, vorbildlich.

Der Heilige Blasius, Arzt, Bischof und Märtyrer Anfang des 4. Jahrhunderts, soll, oh Wunder, einem Jungen geholfen haben, als der fast an einer verschluckten Fischgräte erstickte. Ich vermute, er hat einfach eine Zange aus seinem Arztbesteck benutzt, aber da das niemand mehr weiß oder wissen will, war es eben ein Wunder. Seitdem ist er der Schutzpatron, den man bei Halsschmerzen anruft.

In St. Blasien gibt es übrigens auch eine berühmte Klinik, ihr kommt nicht darauf, wofür: Für Lungenkrankheiten, was sonst.

Wer noch ein paar mehr Bilder aus St. Blasien sehen will, klickt hier.

Fortsetzung folgt.