Jülicher Str.

Ja – was ist DAS denn? Hat der Polier sein Senkblei verloren? Waren die Maurer betrunken? Die scheinbar natürliche Reaktion auf solch eine Architektur ist vermutlich die, das sie einem nicht gefällt – und ich sage mit Bedacht „scheinbar natürliche“ Reaktion. Denn unser Verständnis von ‚angemessenen‘ Gebäuden ist kulturell geprägt und basiert auf einfachen geometrischen Figuren, die hier so ineinander verschachtelt sind, daß uns die Ansicht irritiert oder gar abstößt. So steht diese dekonstruktivistische Architektur nicht nur für sich, sondern hilft dabei, eigene Wahrnehmungsgewohnheiten zu dekonstruieren, d.h. die Wahrnehmungen in ihrer Gesamtheit zu hinterfragen.

Ob dies ein gelungenes Werk dekonstruktivistischer Architektur ist, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Im Gebäude befindet sich das Hotel Chelsea, das u.a. dadurch bekannt ist, daß Künstler seit Mitte der 80er Jahre Kost und Logis im Tausch gegen Kunstwerke erhalten, die dann in den Räumen ausgestellt werden. Im Erdgeschoß befindet sich das Café Central, das einfache Speisen nach meinen Erfahrungen lieblos, uninspiriert und für zu viel Geld anbietet.

Moltkestr.

Irgendwie ungehalten war ich schon den Sommer über, nicht wirklich schlimm, aber doch merkbar, wie ein kleines Steinchen im Schuh. Was, wenn ich gestorben wäre? Wer hätte mir dann die eine Stunde Freizeit ersetzt, die man uns im März während einer Nacht zum Sonntag einfach gestrichen hat? Und vor allem: Wie? Seit heute habe ich sie wieder, es läßt sich einfach besser leben ohne Steinchen im Schuh. Und für die nächsten Jahre schlage ich folgendes vor: Die Uhr wird während der Arbeitszeit vorgestellt, sagen wir an einem Freitag um 14.00 Uhr. Die Arbeitgeber bekommen die ausgefallene Zeit ja im Oktober wieder, und sollte ich dann in der Zwischenzeit gestorben sein, können sie mir den entsprechenden Betrag gern von meinem letzten Gehalt abziehen. So, wie es jetzt ist, ist es ungerecht! Was machen eigentlich die Gewerkschaften?

Zülpicher Str.

Die Zülpicher Str. ist eine der vielen Ausfallstraßen und führt im oberen Teil durch das Universitätsviertel, in Anlehnung an das Pariser Quartier Latin hier Kwatier Lateng genannt. Eine Kneipe reiht sich an die nächste, unterbrochen nur durch Imbisse aller Art und Kioske (von denen ich gestern schon erzählte). Autoverkehr, Straßenbahnen, Außengastronomie vor jedem Lokal auf sowieso schon engen Bürgersteigen – für die Anwohner muß es eine endlose Qual sein, und es gibt auch schon lange eine Bürgerinitiative, die für mehr Ruhe kämpft, natürlich ohne Aussicht auf Erfolg. In der Woche finde ich es recht angenehm hier: Preiswertes, oft gutes Essen, ein kleines engagiertes Kino, Biergärten, pulsierendes Leben. Am Wochenende allerdings nervt der Betrieb, und zu Ereignissen wie Karneval oder Weltmeisterschaft ist es die reine Hölle – außer für die, die sowas mögen.
Im Hintergrund leuchtet ungerührt der Helm der gotischen Herz-Jesu-Kirche am Zülpicher Platz.