
Manchmal, wenn ich durch die Stadt wandere, frage ich mich: Wie kommt das zustande? Dieses kleine Zwischenhäuschen gehorcht wohl kaum ökonomischen Interessen, sonst hätte man es doch sicherlich bis nach vorn gebaut. Besonders gepflegt sieht es auch nicht aus, im Gegenteil, leicht heruntergekommen, und markiert gleichzeitig den dicken Max mit seinen Balkonen, von denen die anderen Häuser in der Gegend nur träumen können: Hohoho, seht her, ich bin zwar klein und mickrig, aber ich habe gleich drei!
Im rückwärtigen Schaufensters des Ladens im Erdgeschoß hängt ein magersüchtiger Weihnachtsmann, der aussieht, als wäre er aufgeknüpft, vielleicht ist er deshalb so dünn. „Headwork“ – ist hier etwa ein „Think Tank“? Wissenschaftler, die sich die Haare raufen, um die Probleme der Welt zu bewältigen? Nicht ganz, nur „Haare“ stimmt: Das ist ein äußerst vielbesuchter und angesagter Frisörladen mit ganz jungen hippen Angestellten und einem eigenen Diskjockey, der die neusten umz-umz-umz-Platten reitet, das alles zu Preisen, mit denen man innerhalb kürzester Zeit das Häuschen ein wenig renovieren könnte – aber bitte bloß nicht zu viel, es soll ja nicht seinen Charme verlieren!

Nachtrag um 16. Uhr: Gerade erreicht mich eine email einer Freundin: „Der vielbesuchte hippe Laden mit (nicht eigenem, sondern manchmal Gast-Discjockey, keine Größen, eher unbekannte DJs) ist Kastenbein & Bosch: Headwork ist nicht mehr ganz so gut besucht und da läuft Radio.“ Danke!