Hohenstaufenring

Eingequetschter Gründerzeitbau, der zwei Weltkriege und rein ökonomische Bebauungspläne überlebt hat – etwas weiter kommt die Straßenbahn aus der Erde. Ich hoffe, das bleibt so und es ist keine U-Bahn-Verlängerung geplant, wer weiß, wie lange es das Haus dann noch geben würde.

Daß das Historische Archiv gestern zusammengekracht ist, ist wirklich ein Jammer – nicht wegen des Gebäudes, aber für den Bestand, der nun einer vier Kilometer langen, über eine Milliarde Euro teuren und völlig überflüssigen U-Bahn zum Opfer gefallen ist. Wer mehr wissen will: Wikipedia ist schon auf dem neusten Stand.

Engelbertstr.

Manchmal, wenn ich durch die Stadt wandere, frage ich mich: Wie kommt das zustande? Dieses kleine Zwischenhäuschen gehorcht wohl kaum ökonomischen Interessen, sonst hätte man es doch sicherlich bis nach vorn gebaut. Besonders gepflegt sieht es auch nicht aus, im Gegenteil, leicht heruntergekommen, und markiert gleichzeitig den dicken Max mit seinen Balkonen, von denen die anderen Häuser in der Gegend nur träumen können: Hohoho, seht her, ich bin zwar klein und mickrig, aber ich habe gleich drei!

Im rückwärtigen Schaufensters des Ladens im Erdgeschoß hängt ein magersüchtiger Weihnachtsmann, der aussieht, als wäre er aufgeknüpft, vielleicht ist er deshalb so dünn. „Headwork“ – ist hier etwa ein „Think Tank“? Wissenschaftler, die sich die Haare raufen, um die Probleme der Welt zu bewältigen? Nicht ganz, nur „Haare“ stimmt: Das ist ein äußerst vielbesuchter und angesagter Frisörladen mit ganz jungen hippen Angestellten und einem eigenen Diskjockey, der die neusten umz-umz-umz-Platten reitet, das alles zu Preisen, mit denen man innerhalb kürzester Zeit das Häuschen ein wenig renovieren könnte – aber bitte bloß nicht zu viel, es soll ja nicht seinen Charme verlieren!

Nachtrag um 16. Uhr: Gerade erreicht mich eine email einer Freundin: „Der vielbesuchte hippe Laden mit (nicht eigenem, sondern manchmal Gast-Discjockey, keine Größen, eher unbekannte DJs) ist Kastenbein & Bosch: Headwork ist nicht mehr ganz so gut besucht und da läuft Radio.“ Danke!

Rheinuferstraße

Das Plakat hat folgenden Hintergrund: Ich hatte ja schon mal erzählt, daß in Köln (meiner Ansicht nach) überflüssigerweise eine neue U-Bahnstrecke gebaut wird, immerhin 10/15 Minuten kann man da an Zeit sparen als Resultat einer Investition von bereits über einer Milliarde Euro …
Jedenfalls, bevor die neue Bahn auf die alten Gleise am südlichen Rheinufer trifft, muß sie an die Oberfläche kommen, nach dem Plan blöderweise vor der vierspurigen, stark befahrenen Rheinuferstraße. Kein Problem: Ampelanlage, fertig – dachte man. Da die Bahnen aber im 5-Minutentakt fahren sollen, also Rotlicht für die Straße alle zweieinhalb Minuten, befürchtet man Staus, die sich bis auf die anderen Hauptverkehrsadern der Stadt ausweiten. Eine Untertunnelung der Straße ist zu teuer, also scheint es nur eine Lösung zu geben: Der Stauraum muß erweitert werden, mit anderen Worten: Aus der vierspurigen Rheinuferstraße soll eine sechsspurige werden, die Autos stehen dann zwar genauso lange vor den Schranken, aber weiter hinten kann er wenigstens noch fließen. Zwei Spuren mehr auf einer Strecke von über einem Kilometer, das braucht Platz, der leider von diesen unpraktischen Bäumen besetzt ist, bis zu 180 Stück müssen also der Kettensäge zum Opfer fallen, der Ratsbeschluß (CDU und SPD) ist schon gefällt.
Die Anwohner finden das gar nicht witzig, haben eine Bürgerinitiative gebildet und kämpfen mit Unterstützung diverser Umweltschutzgruppen für eine Untertunnelung. Die Grünen sind übrigens der Meinung, man solle erst einmal die Verkehrsentwicklung abwarten und weder Untertunnelung noch Straßenausbau angehen, womit die Anwohner aber auch nicht einverstanden sind: Sie befürchten, daß die Autofahrer dann nach Schleichwegen durch ihr Viertel suchen.
Der Oberbürgermeister (CDU) hat inzwischen den Vorschlag gemacht, man könne vielleicht das Geld aus dem Bundeskonjunkturpaket für eine Untertunnelung einsetzen, davon will sein Gegenspieler von der SPD aber nichts wissen – jedenfalls nicht jetzt, zur Wahlkampfzeit. Die Bäume sollten schon mal die Sägen schärfen …

Auch diese schöne Fußgängerallee soll weichen. Hier noch ein paar Bilder vom Baumbestand, den es bald vielleicht nicht mehr geben wird.

Hohenstaufenring

Geschloßen – so schnell kann das gehen, kaum ein Jahr hat es sich gehalten, obwohl die Lage nicht so schlecht war, zwar nicht direkt im Studentenviertel, aber am Rand. Gut, das kann schon mal passieren: Auf der Hauptader brummt der Bär und man verdient sich sogar mit frittierter Pappe eine goldene Nase, und zweihundert Meter weiter in einer Nebenstraße ist nichts los. Allerdings ist die Stadt nicht so groß, daß gute Qualität zu vernünftigen Preisen sich nicht herumsprechen würde. Einmal war ich dort Essen, wir waren die einzigen Gäste. Die Speisen waren ganz okay, aber absolut nichts Besonderes, da gibt es bessere Inder in der Stadt. In meinem Bier schwamm irgendetwas gallertartiges – uaah! – auf meine Reklamation bekam ich schleunigst ein neues von einem frischen Faß, „Aufs Haus“, aber der Appetit war mir vergangen.

9. November 1938

Auch diese Synagoge wurde heute auf den Tag genau vor 70 Jahren in der sogenannten Reichsprogromnacht verwüstet.

11.000 jüdische Opfer allein aus Köln kostete die Nazibarbarei. Obwohl die Nazis gegen Ende des Krieges versuchten, ihre Untaten zu vertuschen, indem sie alle Unterlagen verbrannten, konnten sie nicht verhindern, daß jemand eine geheime Abschrift der bürokratisch ordentlich geführten Opferlisten anfertigte.

Diese Synagoge (Außenansicht hier) ist die einzige von sieben, die nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.

In die Kirchenhalle wurde ein Zwischenboden gezogen, im unteren Teil befinden sich nun Verwaltung, Gemeinderäume und ein koscheres Restaurant, in das man jedoch – genau wie in die Kirche überhaupt – nur nach Voranmeldung kommt.

Inzwischen hat die Gemeinde, besonders durch osteuropäischen Zuzug, wieder 4000 Mitglieder, und auch in anderen Stadtteilen gibt es jüdische Treffpunkte.

Die Synagoge wird fast ständig von der Polizei bewacht und mit Videoanlage und Gittern abgesichert.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ B. Brecht

Japanisches Kulturinstitut

Im Japanischen Kulturinstitut bei der Fotoausstellung „Szenen der Kindheit – 60 Jahre Nachkriegsjapan“ abfotografiert (5 von 85).


WADA Kunio, Präfektur Kagoshima, 1965


KUMAKIRI Keisuke, Osaka, 1966


ONISHI Yoshimasa, Präfektur Gifu, 1983 (592 Schüler schlagen gelichzeitig eine Brücke)


SHIRAI Kazunari, Tokyo, 2000


KUMAKIRI Daisuke, Tokyo, 2005

Zugabe:


VIDEBI Tis, Köln, 2008

Katharinengraben/Am Leystapel

Was haben dieses …

und dieses Haus gemeinsam?

Erst mal nichts, oder? Des Rätsels Lösung: Sie haben den selben Ort in der Stadt.

Die neue deutsche Zentrale von Microsoft steht am aufwändig neu gestaltetem Rheinauhafen, zig neue oder entkernte und renovierte Gebäude entstehen hier zur Zeit, tausende von Büros, Garagen, Gastronomiebetriebe, First-Class-Geschäfte und und und werden in nicht allzuferner Zeit hier entstanden sein (zwei der drei Kranhäuser stehen schon, ich berichte nächste Woche).
Nur durch eine vierspurige Straße getrennt steht das gelungene Resultat eines Resozialisierungsprojekts. Mitte der 90er holten Kölner Streetworker zehn Punker von der Straße und boten ihnen Hilfe bei der Mindesteingliederung in die Gesellschaft an. Die Stadt mietete dieses Haus, und da das Leben auf der Straße in der Vorstellung vielleicht romantisch, in Wirklichkeit aber kein Zuckerschlecken ist, nahmen die Punker an und zogen ein. Das Projekt ist lange abgeschlossen, die Punker wohnen hier seitdem als Hausgemeinschaft, Sozialarbeiter haben keinen Grund mehr zur Betreuung, auch wenn die Bewohner ihre Miete weiterhin an die Stadt bezahlen, die es an den Eigentümer weitergibt. Der hat nun gewechselt – und der Hausgemeinschaft prompt die Kündigung ins Haus geschickt – das Gebäude sei ein Schandfleck, passe nicht mehr in die Umgebung, und dasselbe gilt wahrscheinlich von den Bewohnern. Auf deren Nachfrage, wohin sie denn so schnell sollen, bot man ihnen ernsthaft eine Unterkunft im Obdachlosenheim an – man faßt es nicht. Inzwischen hat sich nach Protesten die Politik der Sache angenommen, man wird vermutlich eine neu Bleibe finden. Ich finde allerdings schade, daß eine Stadt, die ihre Multikulturalität und Toleranz als oberste Tugenden auf ihre Fahnen schreibt, es nicht schafft, ein tatsächliches Nebeneinander verschiedener Bevölkerungsteile zu fördern und zu fordern, wenn es dem Mammon entgegensteht. Was nun hierhin gebaut wird? Schickimicki-Wohnungen für Schickmicki-Leute, die bereit sind, etwas mehr zu zahlen.