Nachdem Ende der 80er Jahre die abschnittsweise mit unterschiedlichen Namen bezeichnete Ringstraße um die Innenstadt zum Teil für die U-Bahn untertunnelt worden war, konnte man sich an die Neugestaltung der Oberfläche machen: Vierspurige Straßen hielt man für Bürgerwunsch, den man auch verwirklichte, erst in letzter Zeit denkt man ernsthaft über einen teilweisen Rückbau auf zwei Spuren nach. Der Abschnitt Kaiser-Wilhelm-Ring jedoch war breit genug, um zusätzlich eine große Brunnenanlage mit Blumenrabatten anzulegen, meiner Meinung nach genau so eine Fehlplanung wie die Straßen. Kleine Zäunchen sagen: Betreten verboten! Die abgezirkelten Blumenrabatte signalisieren „ORDNUNG!“, die ganze Anlage wirkt relativ leblos. Ein paar Bänke stehen an den Wegen, die ab und zu auch besetzt sind, aber selbst für die Penner hat der Platz zu wenig Atmosphäre. Schade.
Schlagwort: Neustadt Nord
Gereonswall
Böse Leute behaupten, das sei ein Jugendfoto des deutschen Torhüters, der wäre so unbeliebt gewesen, daß keiner freiwillig auf sein Tor schießen wollte, lieber schossen die gegnerischen Spieler aufs eigene Tor. Folglich blieb er immer torlos, und dieser vermeintliche „Erfolg“ sei den Verantwortlichen zu Ohren gekommen, die die Hintergründe nicht kannten und daher so begeistert gewesen seien, daß sie ihn zum Nationaltorhüter machten. Sehr böse Leute.
Kreuzung Hansaring / Am Kümpchenshof
Man sieht ein weiteres Beispiel aus der Reihe „Kölns beste Plätze“ von den Scherzbolden aus dem Kölner Fremdenverkehrsdezernat – zwei vierspurige Straßen kreuzen sich. Super. Ob man schon Ansichtskarten hat drucken lassen? Ich stelle mein Foto gern zur Verfügung.
Venloer Str.
Die hohe Zeit der irischen Pubs in Deutschland ist, glaube ich, vorbei, und da die Leute immer weniger Geld für die Gastronomie haben, weil die Preise dort immens gestiegen sind, lohnt es sich wahrscheinlich immer weniger, das wohlschmeckende, aber noch mal extra teure Bier anzubieten. Und da weniger Leute kommen, ist auch das Essen nicht immer so frisch, wie es sein sollte, und man geht woanders hin, selbst wenn man es sich leisten will – eine Abwärtsspirale, die nicht selten zur Schließung führt. Ich kenne noch vier irische Kneipen in der Stadt, zwei liegen im Touristenviertel und leben von den Besuchern aus Großbritannien, eine liegt im Studentenviertel, und die auf dem Bild, die etwas abseits liegt – ich gebe ihr nicht mehr lange.
Hohenzollernring
Nanu – was ist hier denn los? Überall Polizei, die 4-spurige Straße abgesperrt, ebenso wie die Hauptwege im Studentenviertel – ist denn schon wieder Karneval? Laut gröhlende Jugendliche, überwiegend männlichen Geschlechts, machen es schnell klar: Deutschland ist Weltmeister … ääh, nee, Kölns Verein hat ein Spiel gewonnen. Aber ist das nicht übertrieben, diese Nebensächlichkeit so zu feiern? Ah ja – der 1. FC ist wieder in der ersten Liga und darf sich zukünftig wieder von München, Bremen und Schalke blamieren lassen. Na denn – Prost!
Lütticher Str.
Die mittelalterliche Stadtmauer wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts nicht nur als überflüssig, sondern auch als beengend empfunden, also wurde sie bis auf ein paar markante Punkte geschleift. Die Kölner Ringe wurden angelegt (die Mehrzahl täuscht, es ist ein Ring mit streckenweise verschiedenen Bezeichnungen), daran anschließend ein Areal zur Bebauung freigegeben, das noch heute Neustadt heißt (siehe auch hier). Die Bürgerhäuser wurden im Gründerzeitstil gebaut, der seine Formen in der Architektur des sogenannten Historismus fand, d.h. es wurden vielfach Stilelemente vergangener Epochen miteinander verbunden und zu einem eigenen Charakter entwickelt. Das Bild zeigt ein Beispiel, Wohnungssuchende achten in den Anzeigen auf den Begriff ‚Altbau‘, wenn sie in solch einem Haus wohnen möchten, natürlich möglichst zeitgemäß renoviert. Das Bild ist aber auch typisch für etwas anderes: Die meisten Häuser dieser Art wurden zerstört, das einheitliche Bild, das die Neustadt früher gehabt haben mag, ist unwiederbringlich vernichtet, stattdessen geben die Gründerzeithäuser nur noch eine Ahnung davon, wie es mal ausgesehen hat – wenn ich könnte, würde ich mich für einen Spaziergang in die 20er Jahre zurückbeamen, um ein Bild der Stadt vor den verheerenden Zerstörungen der Kriegsbomben zu bekommen.
Biergärten
Wie hier im zentral gelegenen Stadtgarten hat die Biergartensaison gestern überall in der Stadt angefangen – der Kaffee ist auch sehr gut, wie ich feststellen durfte.
Später dann am Aachener Weiher war der Ansturm so groß, daß der Gastronomie die Speisen ausgingen – flüssiges „Brot“, wie die Mönche einst sagten, gab es aber noch zur Genüge.
Auf dem Rathenau-Platz werden die Stühle angekettet, sobald die Sonne fort ist – zu Recht, sie könnten sonst das Weite suchen vor lauter Kälte. Der Schal wird besser noch nicht in den Schrank gehängt.
Richard-Wagner-Str.
Städte sind prinzipielle baumfeindlich – eine neue Straße, ein neues Parkhaus, und immer stehen diese Dinger im Weg. Die Blütenblätter und im Herbst das Laub – nichts als Dreck, der kostenintensiv entfernt werden muß. Und wenn dann noch Früchte wie Kastanien oder herabfallende Äste den Verkehr beeinträchtigen oder Autos beschädigen – nur Ärger, der leicht gerichtsnotorisch werden kann. Bäume und Büsche interessiert das alles nicht – und suchen sich ein Plätzchen.
