Vogelsanger Str.

Porzellan

Kamelien staunen unter Edelfichten
In Tau verträumt um einen Pflanzenteich.
Der Mond verschleicht aus letztem Silberreich,
Ein Morgen kommt von goldnen Sterngedichten.

Die Reiher wissen ihren Flug zu richten,
Sie schimmern aus dem blauen Traumbereich
Erwachter Augen auf dem Eschendeich,
Ihr Silberzug ist zärtliches Verzichten.

Kamelien trauen einem goldnen Blauen,
Der lila Tag ist Kind und Stern bestimmt.
Vergiß die Nacht, die ihre Hülle nimmt!

Mit Jubel überflügeln sich die Auen,
Wo stiller Adel unter Tannen thront,
Die Fische glauben an den Rosenmond.

Theodor Däubler (1876 – 1934)

Cinenova

Wieder einmal im Kino: Das Cinenova versucht mit drei Kinosälen, anspruchsvollen Mainstream zu vermitteln: Zu sehen sind zwar Filme, die neu und starbesetzt sind, aber dennoch ein bestimmtes Niveau nicht unterschreiten. „Der fremde Sohn“ verlangt mit über zwei Stunden ein wenig Sitzfleisch, dennoch ist er ein guter sehenswerter Film, auch wenn ich nicht völlig begeistert bin: Hollywood-Unterhaltung eben.
Im angeschlossenen Café/Restaurant habe ich ein Novum erlebt: Eine unfreiwillig vegetarische Gulasch-Suppe, ganz lecker – keine Ahnung, wo das Fleisch abgeblieben ist, vom Koch wieder herausgefischt?.

Venloer Str.

„Ich hab drei Haare auf der Brust und bin ein Bär“, singt der Mann im Schunkelrhythmus, kaum hat man es geschafft, sich unbeschadet an der Bühne vorbeizuschieben, schallt einem das nächste Schunkellied entgegen.

Die Straßenfeste ähneln sich doch sehr: Grillwürstchen, Crepe- und Bierbuden, Süßigkeiten, kleine Fahrgeschäfte, Billig-Modeschmuck aus Fernost und Krach einheimische Musik im 4/4-Takt. Aber schön bunt ist es.

Wer Glück hat, gewinnt ein Playboy-Bunny für die lieben Kleinen zu Hause …

Blücherpark

„Ja, ist es denn gut, daß Marla um halb sieben noch auf den Spielplatz geht?!“ fragt der junge Vater mit gespielter Sorge, in der die Hoffnung mitschwingt, daß es viel zu spät ist – die Sportschau ist noch nicht zu Ende. „Aber sicher,“ antwortet die Mutter scharf, dann zuckersüß im antiautoritären Singsang zu ihrer Tochter: „Du möchtest doch noch gerne auf den Spielplatz, oder Marla?“
Hätte die ca. vierjährige Marla schon die nötige Urteilskraft und den entsprechenden Wortschatz, würde sie wahrscheinlich antworten: „Ich bin vier Jahre alt und objektiv weitgehend gefühlsgesteuert in meinen von Kurzfristigkeit geprägten Entscheidungen, ihr seid meine Eltern, ich habe ein Recht darauf, daß ihr wißt, was gut für mich ist!“ Stattdessen nickt Marla nur ergeben, vermutlich spürt sie nur, daß ihre Rolle die des Prellbocks ist zwischen ihren Eltern.

Der Blücherpark wurde zwischen 1911 und 1913 angelegt. Er ist ein Rechteck von 700 x 200 m, entsprechend streng geometrisch ist die ganze Gestaltung. Auf dem bei Sonnenschein leicht brackig riechenden Weiher kann man Ruderboot fahren, an einer Stirnseite befindet sich ein kleiner Biergarten, mehr ein Kiosk mit Außengastronomie. Bier, Säfte und Kaffee gibt es hier in Selbstbedienung, aber auch kleine Gerichte, wie z.B. Bockwurst mit Kartoffelsalat oder der obligatorische Salat mit Putenbrust, alles allerdings in guter Qualität (und entsprechenden Preisen).

Café im Cinenova

Das Café im Kinocenter Cinenova ist zwar eine große Halle und deswegen auf den ersten Blick nicht sehr gemütlich, aber bei Sonnenschein sehr licht. Und wenn das Wetter mitspielt, kann man im Garten sitzen, ab 22 Uhr gibt es im Sommer Open-Air-Kino – wovon ich allerdings kein Freund bin, ich bevorzuge dunkle Kinosäle mit gemütlichen Sesseln und Sound ohne äußere Störungen – besonders an dieser Stelle, denn die Open-Air-Leinwand lehnt an einer Bahntrasse …

Herbrandstr.

Wenn die Qualität der Körperertüchtigung bei McFit so gut ist wie die der Speisen bei McDonalds, sollte man vielleicht überlegen, ob die Investition in Nordic-Walking-Stöcke nicht doch gut angelegt ist.
Aber 24 Stunden Öffnungszeit, das nenne ich Dienstleistung. Wer gestern schon Mitglied war, sollte sich den Beitrag für eine Stunde zurückzahlen lassen.

Venloer Str.

Tatüü tataaaa – manchmal glaubt man, man sei in New York – obwohl sich die Sirenen natürlich von Land zu Land unterscheiden. Aber die Häufigkeit zeigt einem, daß man in einer Großstadt wohnt, es gehört zum Alltag, daß aus irgendeiner Richtung Sirenengeheuel ertönt, und man fragt sich (als Fahradfahrer im Großstadtverkehr) bang, wann es vielleicht mal soweit ist, selbst Anlaß einer Notsituation zu sein.

Innere Kanalstr.

Hier ist ein Bild meiner neuen Wohnung: Der Boden dreht sich um eine Achse, so daß ich, sooft ich aus dem Fenster schaue, in eine andere Himmelsrichtung sehe. Schön wärs jedenfalls. Der Fernsehturm am Rande des Grüngürtels wurde 1981 fertig gestellt und ist mit 243 Metern das höchste Gebäude der Stadt. In den ersten Jahren konnte man gegen Eintritt hochfahren, es gab eine Aussichts- und eine Restaurantplattform, die sich langsam drehte. Wegen finanzieller Schwierigkeiten wurde später eine Diskothek eingerichtet, das war wohl für kurze Zeit ganz hip, hat sich aber auch nicht gehalten. Nun stehen die Räume leer, soviel ich weiß, ich glaube, ich werde den Turm, der aufgrund einer Umfrage übrigens ‚Colonius‘ genannt wird, demnächst kaufen und einziehen. Ihr seid alle eingeladen zur Einweihungsparty, ich sag Bescheid, wenn es soweit ist.