Holzmarkt, Rheinauhafen

Natürlich gab es schon Denkmäler und Reiterstandbilder von Kaisern und Königen, diese Skulptur jedoch ist die erste – als Kunst autonome – Freiplastik in Köln: „Der Tauzieher“ von Nikolaus Friedrich (1865 – 1914), die am Holzmarkt in der Nähe des Rheinauhafens 1911 aufgestellt wurde. Kunstbeflissene Bürger hatten das Werk in einer kleineren Version in einer Ausstellung gesehen, fix Geld gesammelt und diese 2,50 Meter hohe Würdigung der Arbeit und des Arbeiters in Auftrag gegeben, die Stadt bezahlte die Kosten der Aufstellung – und das alles zur Kaiserzeit, die ja nicht gerade dafür bekannt war, den Proletariern die Hand zu reichen.

Café im Schokoladenmuseum

Man könnte denken, ich wäre oft hier, aber tatsächlich bin ich in dem Museumscafé zum ersten Mal, es liegt günstig, wenn man sonntags am Rhein spazieren geht, der Wind dann aber so kalt pfeift, daß die Lust auf heiße Getränke den Bewegungsdrang leicht besiegt.

Kuchen und Kaffee sind nicht schlecht, allerdings nichts, weswegen man extra hierher kommen würde, und die Preise sind gesalzen. Aber es ist trotz der Fülle einigermaßen gemütlich und der Ausblick will natürlich auch bezahlt sein.

Auf dem Weg zum Ausgang schnell noch einen Blick in den Schokoladenladen – aha, Ostern ist auch nicht mehr weit.

Rheinuferstraße

Das Plakat hat folgenden Hintergrund: Ich hatte ja schon mal erzählt, daß in Köln (meiner Ansicht nach) überflüssigerweise eine neue U-Bahnstrecke gebaut wird, immerhin 10/15 Minuten kann man da an Zeit sparen als Resultat einer Investition von bereits über einer Milliarde Euro …
Jedenfalls, bevor die neue Bahn auf die alten Gleise am südlichen Rheinufer trifft, muß sie an die Oberfläche kommen, nach dem Plan blöderweise vor der vierspurigen, stark befahrenen Rheinuferstraße. Kein Problem: Ampelanlage, fertig – dachte man. Da die Bahnen aber im 5-Minutentakt fahren sollen, also Rotlicht für die Straße alle zweieinhalb Minuten, befürchtet man Staus, die sich bis auf die anderen Hauptverkehrsadern der Stadt ausweiten. Eine Untertunnelung der Straße ist zu teuer, also scheint es nur eine Lösung zu geben: Der Stauraum muß erweitert werden, mit anderen Worten: Aus der vierspurigen Rheinuferstraße soll eine sechsspurige werden, die Autos stehen dann zwar genauso lange vor den Schranken, aber weiter hinten kann er wenigstens noch fließen. Zwei Spuren mehr auf einer Strecke von über einem Kilometer, das braucht Platz, der leider von diesen unpraktischen Bäumen besetzt ist, bis zu 180 Stück müssen also der Kettensäge zum Opfer fallen, der Ratsbeschluß (CDU und SPD) ist schon gefällt.
Die Anwohner finden das gar nicht witzig, haben eine Bürgerinitiative gebildet und kämpfen mit Unterstützung diverser Umweltschutzgruppen für eine Untertunnelung. Die Grünen sind übrigens der Meinung, man solle erst einmal die Verkehrsentwicklung abwarten und weder Untertunnelung noch Straßenausbau angehen, womit die Anwohner aber auch nicht einverstanden sind: Sie befürchten, daß die Autofahrer dann nach Schleichwegen durch ihr Viertel suchen.
Der Oberbürgermeister (CDU) hat inzwischen den Vorschlag gemacht, man könne vielleicht das Geld aus dem Bundeskonjunkturpaket für eine Untertunnelung einsetzen, davon will sein Gegenspieler von der SPD aber nichts wissen – jedenfalls nicht jetzt, zur Wahlkampfzeit. Die Bäume sollten schon mal die Sägen schärfen …

Auch diese schöne Fußgängerallee soll weichen. Hier noch ein paar Bilder vom Baumbestand, den es bald vielleicht nicht mehr geben wird.

Schaafenstr. / Rudolfplatz

Abrißhäuser entwickeln ihre ganz eigene Ästhetik und regen die Fantasie an, wenn man plötzlich von außen in halb abgewrackte Zimmer sehen kann: Was für Geschichten würden die Wände noch erzählen in der kurzen Zeit, die ihnen noch verbleibt, wenn sie könnten? Ein altes Bankgebäude, in dem – ganz nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ – wahrscheinlich mehr Schicksale entschieden wurden als in einem normalen Wohngebäude …

Ende November 2008 erhielt das Gebäude traurige Berühmtheit: Anstatt die nötige Vorsicht walten zu lassen und entsprechend langsam vorzugehen, setzte die Abbruchfirma bei unzureichender Sicherung mitten in der Stadt eine Abrißbirne ein – Zeit ist Geld, und je schneller die Maschinen woanders eingesetzt werden, desto höher der Gewinn. Gesteinsbrocken flogen über den Zaun, die alarmierte Polizei mußte erstmal zu einer anderen Abteilung verbinden, die sich auch nicht zuständig fühlte und beim Ordnungsamt nachfragte, was man da wohl tun muß. Kurze Zeit später erschlug eine herabfallende Marmorplatte einen außerhalb der Absperrung stehenden Bauarbeiter.

Leystapelwerft

Eine Wabe ist eigentlich sechseckig, für die Honigbiene die optimale Form, mit einem unvergleichlichen Resultat, das wir uns auf dem Brötchen schmecken lassen können. Vielleicht ist die viereckige Form der Grund dafür, das aus diesen Waben immer öfer nur Resultate kommen, deren Folgen im Wirtschaftsteil der Nachrichten uns jeden Appetit verderben?

Hohenstaufenring

Das Hotel Esplanade ist nicht viel breiter, als auf diesem Bild zu sehen ist, aber vermutlich eine gute Adresse, nach den Preisen zu urteilen: Ein Einzelzimmer inkl. Frühstück kostet ab 78,78 Euro pro Nacht, ein Doppelzimmer 99,99 – ja, wir sind in Köln, wo die Ureinwohner den Karneval das ganze Jahr über im Herzen tragen. Das Portal sieht nach 50er-Jahre-Stil aus, leider ist nirgends ein livrierter Portier zu sehen.
Wer hier absteigt, hat den Ort gut gewählt: In der Nähe des Studentenviertels, wo die Kneipen viel interessanter sind als in der sogenannten historischen Altstadt, mehr Leben und trotzdem zentral.

Odeon in der Severinsstr.

Diese Situation kennt fast jeder, oder? Im Kino, gespannte Erwartung, wie lange dauert es denn noch? Hoffentlich quatschen die da links nicht auch während des Films so viel, und das Freundchen daneben soll sich bloß beeilen mit seinen Knistertüten. Im Moment noch freie Sicht, aber das kenn ich: Mit fünfminütiger Verspätung mischt ein Zuspätkommer alle Reihen auf und setzt sich ausgerechnet wohin? Genau – vor meine Nase, ein Sitzriese mit ausufernder Afrofrisur. Heute nicht, nochmal Glück gehabt. Ich war in einer Premiere (hört hört):

„33 Szenen aus dem Leben“, ich habe aber nicht mitgezählt. Ein polnischer Film mit deutscher Hauptdarstellerin – angeblich, so wurde hinterher erzählt, weil sie in Polen ein unbekanntes Gesicht ist, aber ich vermute, man hatte auch den deutschen Markt im Visier, denn Julia Jentsch ist ja hier durchaus keine Unbekannte.
Der Film, dessen Geschichte autobiographische Züge der Regisseurin haben soll, beleuchtet eine Umbruchzeit im Leben einer jungen Künstlerin: Innerhalb kurzer Zeit verliert sie ihre plötzlich erkrankende Mutter (quälend intensiv gespielt, lange Szenen, kaum auszuhalten), der Vater verfällt dem Suff und stirbt auch, ihre Beziehung kriselt und ihre berufliche Zukunft ist ungewiß. Uff. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine absurde Szenen, ganz gut gemacht, fast wie im richtigen Leben. Insgesamt kann ich sagen: Nicht soo schlecht, aber mich hat er leicht genervt: Julia Jentsch war schon besser (wer hat ihr nur diese leierige Stimme verpaßt), die schauspielerische Leistung der Mutterfigur ist großartig, aber eben deshalb kaum zu ertragen, und alles andere ist so lala, insgesamt ist die Geschichte zu mager. Wie hinterher aber erzählt wurde (neben Julia Jentsch war der Produzent und noch irgendjemand anwesend), hat der Film in Polen viel Aufruhr verursacht, zum einen, weil diese Art des filmischen Geschichtenerzählens dort relativ neu ist, zum anderen, weil mit dem Thema Tod und Kirche so umgegangen wird, wie es katholisch-konservative Kräfte in Polen gar nicht schätzen.

Zum Abschluß gab’s im Foyer des Odeons Sekt für lau, nett.

Weidenbach

Wenn’s draußen kalt und ungemütlich ist, wird es drinnen gleich noch heimeliger. Im Moment ist noch nicht viel los im „Weiss Bräu“, aber das ändert sich bald, die meisten Tische sind reserviert. Das Essen ist diesmal nicht so prall, wie es die Preise eigentlich vermuten lassen, aber okay, das Ambiente stimmt, nächstes mal eben nur zum Trinken und Quatschen.

Am Leystapel

Dernier cri in den Metropolen: Ein Vier-Gänge-Menü in 50 Meter Höhe. Ein Tisch mit 22 Sitzen hängt an einem Kran, die Gäste sitzen festgegurtet in Schalensitzen und lassen sich von einem Koch, der in der Mitte frei herumläuft, bekochen. 159,00 Euro pro Person, alkoholische Getränke extra – nicht alle Leute sind von der Finanzmisere betroffen (ich übrigens schon, allerdings schon seit 30 Jahren). Wer mal Pinkeln muß, läßt es einfach laufen – ich habe mal gehört, daß das in bayerischen Bierzelten jedenfalls so gehandhabt wird. Hier natürlich nicht, in 30 Sekunden ist der Tisch unten.