Die WDR-Arkaden wurden Anfang der 90er Jahre vom hochdekorierten Architekten Gottfried Böhm erbaut, der übrigens auch die Entwürfe für die umstrittene Moschee in Köln-Ehrenfeld erschaffen hat. Im dekonstruktivistischem Gebäude befinden sich nicht nur Studios und Büros des WDR, sondern auch jede Menge Geschäfte: In dem Café auf der Ecke soll man angeblich den besten Espresso der Stadt trinken können (die Leute haben meinen noch nicht probiert ;-), außerdem findet man alles, was man woanders auch kaufen kann: Super- und Elektromarkt, Bäckerei, Schuhgeschäft, Tier- und Buchhandlung, Ökoschokoladerie etc. bieten an einem Ort ihre Waren feil. Ich kenne hier besonders ein chinesisches Restaurant, ein All-you-can-eat – für 5,90 Euro kann man hier so viel essen, wie man will und kann.PS vom 16.12.: Alles falsch, Asche auf mein Haupt – diese Läden befinden sich alle im Du-Mont-Carré ein paar Schritte weiter in der selben Straße. Habe ich velwechsert, tze tze, vielen Dank an den lieben Lemming für den Hinweis.
Schlagwort: Altstadt Nord
Hauptbahnhof
Sehnsuchtsort Bahnhof, der Ort, an dem Sehnsüchte entstehen – wegfahren, aufbrechen, fort fort … wohin? Egal, ins Bessere, erstmal in Bewegung sein, alles hinter sich lassen, dem persönlichen Eldorado entgegen.
Alles hinter sich lassen? Wohl kaum, das eigentliche Problem bleibt immer im Gepäck, vorm „Ich“ ist auch mit ICE und Thalys keine Flucht möglich …
Brüderstr.
Wer sucht, der findet. Und warum auch nicht – unglaublich, was die Leute alles so wegschmeißen. Früher war es so, daß es feststehende Termine gab, zu denen jeder, der in der Gegend wohnte, seinen Sperrmüll an die Straße stellen konnte, was dazu führte, daß die gut informierten Sperrmüllsammler die gut gepackten Haufen so sehr auseinander nahmen, daß das ganze Viertel für kurze Zeit wie eine Müllkippe aussah. Inzwischen muß man bei den städtischen Müllwerken individuell um einen Termin bitten, der, so zeigt die Erfahrung, so gelegt wird, daß man nicht der einzige ist und die Müllwerker nicht nur für einen Haushalt anrücken müssen. Die Müllfledderei geht nun zwar ihren unvermeidlichen Gang, ist aber nicht mehr ganz so umfangreich.
Breite Str.
Stutenkerl bzw. -männchen, Klaaskerl, Pumann, Kaiten Jais, Dampedei, Hefekerl, Klausenmann oder Nikolaus – hier heißt er einfach Weckmann, weil er aus dem gleichen Teig hergestellt wird wie Wecken. Das Gebäck rechts daneben nennt man hier Teilchen. Besonders beliebt ist das Puddingteilchen, ein Gebäck in Brezelform mit Vanillepudding. Eine Freundin von mir hatte mal nach dem Verzehr von zwei solcher Teilchen eine üble Lebensmittelvergiftung, seitdem habe ich keine mehr gegessen.
Friesenwall
Ja mei, is denn scho … Nachdem die Spekulatius (oder heißt es: Spekulatii?) nun schon seit ein paar Wochen in den Regalen der Supermärkte liegen, ist es Zeit, die Weihnachtsmärkte wieder in Betrieb zu nehmen, schließlich ist es schon Mitte November, und die extra für diese Zeit gezüchteten Bratwürste wollen gegessen werden. Die Leute bekommen bald ihr Weihnachtsgeld, kaufen also massenweise Geschenke und versuchen, sich in den Kaufpausen zu lieblichen Weihnachtsweisen im Gedränge vor den Getränkebuden mit übersüßtem Glühwein zu erholen. Ich gestehe: Mich trifft man da auch ein paar Mal.
Schildergasse
Erste von links denkt: Was gibt’s da zu glotzen?!
Zweite von links denkt: Oh Gott, ich kann nicht mehr! Noch ein Prosecco, und ich kipp aus den Latschen.
Dritter von links denkt: Bißchen dünn, aber süße Puppe. Ob der Blödmann zu ihr gehört?
Vierte von links denkt: Mann Mann Mann, bin ich aufgeregt – ob mich einer von beiden anspricht? Cool bleiben …
Fünfter von links denkt: Süßer Typ. Ob der heute Nacht schon was vorhat?
Ehrenstr.
Oben hat das Chaos System (siehe auch hier),
unten brummt das pralle Leben (oder was man dafür hält).
An der Schnitttelle von Ehren-, Benesis-, Pfeilstraße/Kettengasse/Alte Wallgasse stand früher eine Autowerkstatt mit Tankstelle, jetzt ist hier ein angesagter Italiener, der gut sein soll und vermutlich auch teuer ist. Die Ehrenstr. war immer das Gegenstück zur parallel verlaufenden Mittelstr.: Ganz früher Rotlichtmeile, in den 80ern Sitz der Geschäfte, in denen sich Punker, friedensbewegte Alt- und Post-68er und Freaks einkleiden konnten. Das ‚Kaufrausch‘, ein Second-Hand-Laden, gibt es nun schon lange nicht mehr, das Programmkino nebst Café konnte sich auch nicht halten, und jüngst hat ein kleiner Buchladen dicht gemacht, ein anderer ist in eine unattraktivere Straße umgezogen, stattdessen gibt’s Esprit, Douglas etc. Solange sich die drei modernen Antiquariate und der 2001-Laden halten können, ist die Straße für mich nicht ganz verloren, aber ich befürchte das Schlimmste: Meine Lieblings-Fritteuse (also … äh … die Frau, die das macht mit den Fritten) hat das Handtuch geschmissen, ich vermute: Zu hohe Mieten.
Salzgasse
2006 – Tourismusdaten im Überblick
Beherbergungsbetriebe 248
Bettenzahl 25.189
Bettenauslastung (in %) 45,4
Gäste 2.423.256
darunter aus dem Ausland 792.724
Übernachtungen 4.382.428
mittlere Aufenthaltsdauer (Tage) 1,8
Messebesucher 1.777.320
Quelle: Stadt Köln – Amt für Stadtentwicklung und Statistik
Zweieinhalb Millionen Besucher mit einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,8 Tagen – die wollen natürlich auch verköstigt und unterhalten werden. Da der Gast bei der geringen Dauer des Aufenthaltes keine Zeit hat, nach guten und günstigen Verpflegungsstätten zu suchen, bietet man ihm zentrumsnah ein ganzes Viertel mit Lokalkolorit und Nähe zu Rhein und Dom – was will der Tourist mehr. Und da man weiß, daß Urlauber und Geschäftsreisende großzügiger mit ihrem Geld umgehen, sind die Preise entsprechend angehoben. Das führt allerdings auch dazu, daß die Gäste, vom Bedienungspersonal einmal abgesehen, unter sich bleiben, die Einheimischen meiden dieses Viertel weitgehend und betreten es allenfalls aus ethnologischem Interesse.
Die Innenstadt ist, wie gesagt, zu 90% im 2. WK zerstört worden, beim Wiederaufbau hat man dankenswerterweise die alten Grundstücksgrenzen wenigstens teilweise beibehalten, so daß die Gegend zwischen Alter Markt und Rhein von kleinen Gäßchen durchzogen ist.

