Die Stadt ist nicht nur Karnevals-, sondern auch Schwulenhochburg des Landes. Daß gleichgeschlechtliche Paare händchenhaltend durch die Stadt flanieren, darüber regt sich niemand mehr auf. In bestimmten Gegenden ballen sich Schwulenkneipen und -cafés, aber ins öffentliche Bewußtsein treten die Schwulen eigentlich nur einmal im Jahr, nämlich zum Christopher-Street-Day im Sommer, der mit seinen Umzugswagen entlang eines Festweges an eine Mischung aus Rosenmontagsumzug und Techno-Parade erinnert.
Schlagwort: Altstadt Nord
Neumarkt-Passage
Dies ist ein Teil der Neumarkt-Passage – ich wage es kaum, diese Bezeichnung zu übernehmen, denn mit den Passagen alten Stils hat sie nicht das Geringste zu tun. Waren die alten Passagen Londoner oder Pariser Art geheimnisvolle, auch düstere Orte mit kleinen und zum Teil obskuren Geschäften, die die Phantasie anregten, ist diese hell, kalt, glänzend, aseptisch. Auf dem Boden könnten Chirurgen ihren Geschäften nachgehen. Die den Gebäudekomplex beherrschenden Kaufhäuser zeigen auch nach innen ihre riesigen Schaufenster, in denen Massenmode ausgestellt wird. An allen Ecken findet man Cafés, die entweder an Bäckereiketten angeschlossen oder Teil einer „internationalen“ Gastronomie sind (bzw. was man darunter versteht).
Sollte man jemals die Alltagspathologie des angehenden 21. Jahrhundert untersuchen, solle man diese Kathedralen des Konsums nicht vergessen, sie geben ein besonders gutes Beispiel.
Bierbrunnen
Dieses von Studenten der Kunsthochschule 1972 geschaffene, neun Meter hohe Phallussymbol, das im Zentrum der Fußgängerzone steht, wird im Volksmund Bierbrunnen genannt. Zur Einweihung spendete nämlich eine hiesige Brauerei 8000 Liter Freibier, das durch eine unterirdische Leitung zu den Zapfanlagen geschickt wurde. Seitdem hält sich hartnäckig die Legende, einmal im Jahr würde Bier statt Wasser aus der Spitze der Säule fließen. Tatsächlich habe ich einmal durch Zufall miterlebt, wie junge Frauen mit Gläsern und mobilen Zapfspritzen, deren Schläuche ins Ungewisse führten, Bier für lau ausschenkten.
Im Moment läuft gar nichts aus dem Brunnen, entweder weil Winter ist, oder weil die Stadt kein Geld dafür ausgeben will, das gab es jedenfalls schon mal, mitten im Sommer: Alle Brunnen Wasser-leer, stattdessen füllten sie sich schnell mit Unrat – ist vielleicht ehrlicher.
Ehrenstr.
Manchmal wundere (und freue) ich mich darüber, welche kleinen Läden in bester Lage überleben können, und bedaure es, keinen Grund zu habe, dort jemals etwas kaufen zu müssen: Ein Laden voll solcher Comicfiguren und -utensilien, wie kann der Betreiber davon leben?
In Berlin war ich mal in so einem ganz kleinen Getränkeladen, der junge Besitzer war dermaßen unfreundlich und abweisend, obwohl ich doch etwas kaufen wollte, daß ich (als passionierter Krimileser) den Eindruck hatte, der Laden dient irgendwelchen Mafia-Organisationen zur Geldwäsche und nicht zum Geldverdienen. Barbapapa als Geldwäscher? Kaum auszumalen …
Kleine / Ecke Große Brinkgasse
Darf man dazu noch Imbiß sagen? Es wird (fälschlicherweise) versprochen, daß man, verläßt man die Lokalität, nicht nach verbranntem Fett riecht. Außerdem muß man das Bier nicht aus der Flasche trinken, und es gibt auch offene Weine (Sekt oder gar Champagner? Weiß ich nicht mehr, könnte aber gut sein). Kurz: Fritten, Currywurst und Co. auf weißen Porzellantellern in Restaurantatmosphäre, drei solcher Läden gibt es inzwischen. Dafür sind die Preise knapp doppelt so hoch wie in einem einfachen Imbiß. Wer’s mag – bitte!
Schildergasse
Einkaufen – ist lästig, besonders Klamotten. Die Auswahl ist viel zu groß, und trotzdem gibt es nur Hosen, die einem nicht passen. Ist es zuviel verlangt, daß eine Hose, die an den Beinen richtig sitzt, oben rum auch zugeht? Wer stellt sowas her? Haben die bei der Produktion nur magersüchtige Modells im Sinn?
