Stattreisen ist ein eingetragener Verein, der alternative Stadtführungen anbietet. Neben den normalen Stadtführungen zu den Hauptsehenswürdigkeiten gibt es -zig Themenführungen: Das heilige Köln, Kunststadt Köln, das schwule Köln, das kriminalgeschichtliche Köln, Großbaustellen, das Nachtleben, Führungen durch die einzelnen Viertel etc. Da kann man selbst als Einheimischer noch viel lernen. Die Preise sind um 10 Euro pro Person, für 2 – 3 Stunden kompetente Führung ist das nicht zuviel, zumal sich der Verein durch diese Gebühren (und Spenden) finanziert. Respekt.
Schlagwort: Altstadt Nord
Hanns-Hartmann-Platz
Sonntags geschlossen – das ist schlecht, was gibt’s da wohl zu kaufen? Also eine Woche später (minus 1 Tag) noch mal hin:
Milch- und Getreideprodukte, sieht alles recht lecker aus, und der Andrang ist groß, das ist ein gutes Zeichen. Im Moment brauche ich nichts, so’n Pech, schau ich doch später noch mal vorbei.
Lübecker Str.
Die Filmpalette ist ein kleines Kino aus den 50er Jahren mit nur siebzig Sitzen – genau richtig für ein kleines, intimes Pornokino, das es war, bevor es Ende der 80er von engagierten Leuten zu einem Filmkunstkino umfunktioniert wurde. Gezeigt werden ambitionierte Filme, die woanders kaum Chancen oder zu wenig Publikum haben, gerne auch Dokumentationen, eine Filmform, die in keinem anderen Kino der Stadt gezeigt wird. Vor ca. einem Jahr öffnete im Nebenhaus ein weiterer Vorführsaal – mit 45 Sitzen!
PS: Warum da ein Playmobilmännchen steht, weiß ich auch nicht.
Friesenwall
Die Bar „Blauer Engel“, deren Tür hier zu sehen ist, ist nach eigener Aussage die älteste Nachtbar der Stadt in einer Straße, die noch am ehesten Rotlichtcharakter hat, aber der alte „Glanz“ ist wohl stark verblaßt. Ein Glas Wasser kostet 5 Euro. Was dort passiert, muß der Besucher selbst herausfinden, die Werbung, die gespannt machen soll, ist jedenfalls unfreiwillig niedlich: „In gemütliche atmosfere erwarten Sie 3-5 junge hübsche Damen. Unsere spetialität: kleine intime Party.“ Mit Topfschlagen und Blinde Kuh?
„Pleasure and Pain“ ist ein Tattoo-Laden und ein gelungenes Beispiel dafür, wie Firmen Graffiti-Kunst zu Werbezwecken einsetzen (bei Vonskybeat gibt es ein anderes schönes Beispiel). Der Name des Ladens weckt in mir verruchtere Phantasien als die Innenbilder des „Blauen Engel“.
Maastrichter Str.
Das ist ein Stoßseufzer, der sogar denjenigen hin und wieder entfährt, die die Verwendung von Fäkalwörtern für ein Kennzeichen bedauernswerter Verschluderung der Sprache halten. Frauen können sich das nicht vorstellen, aber Männer, sofern sie sich überhaupt mit dem Thema beschäftigen (müssen), fragen sich wahrscheinlich eher, was an Einweggeschirr eigentlich so schlecht ist. Und was ist das beste Mittel gegen Staub? Staub! – also liegen lassen!
Um das Rätsel aufzulösen: Der Spruch schmückt nicht etwa eine Hauswand, sondern ist auf ein Handtuch gestickt, das zum Verkauf in einem Geschäft hängt, das Haus spiegelt sich in der Schaufensterscheibe.
Heumarkt – vorher, nachher
Vor einigen Jahren wurde der am Rande der Altstadt liegende Heumarkt neu gestaltet:
Zum Leidwesen der Architekten kann man in Köln keinen Spatenstich tun, ohne auf achäologisch wichtiges Material zu stoßen, besonders dann nicht, wenn man so tief gräbt, um eine Tiefgarage zu bauen, wie in diesem Fall. Das hat dann zur Folge, daß die Baumaßnahmen etwas länger dauern als ursprünglich veranschlagt.
Heute sieht der Heumarkt so aus (ungefähr die selbe Perspektive):
Zu Anfang hat es viele Beschwerden wegen der Bepflasterung gegeben: Stöckelschuh-bewehrte Damen knickten um, weil die Abstände zwischen den Steinen zu groß war, und es hat lange gedauert, bis der Platz vom zuständigen Amt schließlich abgenommen war.
An seinen Rändern gibt es viel Gastronomie für die Touristen, auf dem Platz selbst finden im Sommer meist kommerzielle Feste statt: Bier- oder Weinfest, Trödelmarkt etc., im Winter beherbergt er – wie sollte es anders sein – einen Weihnachtsmarkt und eine Eisbahn.
Aber auch „unkommerzielle“ Veranstaltungen finden manchmal statt, zum Weltjugendtag der katholischen Kirche stand hier eine Bühne ebenso wie zum CSD, an dem es die Schwulen genießen, ganz und gar aus sich heraus zu gehen, und während der Fußball-WM lud eine riesige Leinwand zum „Public Viewing“ ein.
Auf dem Berlich
Kleine Scheußlichkeiten zum Osterfest gefällig? Die Hasenbande wird nicht etwa in einem Geschäft für Kinderspielzeug angeboten, sondern es werden Einrichtungsgegenstände verkauft – auch neckische Uhren, „originelle“ Lampen, mittelgroße Holztiere mit Fell etc., alles schön bunt. Da das Angebot offensichtlich so viele Käufer findet, daß sich der Laden in guter Lage halten kann, muß die Infantilisierung der Gesellschaft weiter fortgeschritten sein, als ich dachte.
Gereonsdriesch
Die Mariensäule wurde von Kölner Katholiken zur Würdigung eines besonderen Ereignisses gestiftet: 1854 verkündete Papst Pius IX. das Dogma von der unbefleckten Empfängnis Mariens. Das mußte natürlich gefeiert werden. „Unbefleckte Empfängnis“, Blogkollege huenten hat mich aufgeklärt, bedeutet übrigens nicht, Maria hätte sich bei der Zeugung Jesu nicht befleckt, vielmehr ist Anna, die Mutter Marias, während der natürlichen Zeugung ihrer Tochter irgendwie von der Erbsünde befreit, damit dann später klar ist, daß wiederum Marias Sohn nicht etwa von einer normal-sündigen Frau geboren wurde. Ja. Jedenfalls meinte der Papst, das 1854 als Gesetzt festlegen zu müssen.
An St. Agatha
In diesem Trödelcafé in der Nähe der Fußgängerzone kann man nicht nur leckeren Kuchen essen, sondern, wenn man möchte, den Stuhl, auf dem man sitzt, gleich mitkaufen – ebenso den Tisch, die Bilder, Lampen und den ganzen Kram, der da noch so rumsteht. Ob schon mal jemandem der Stuhl unterm Hintern weg verkauft wurde, weiß ich nicht, vermute aber mal, daß die Hauptkundschaft aus Cafébesuchern besteht und nicht so sehr aus Jägern nach antiken Schnäppchen. Echt gemütlich da.

