Venloer Str.

„Ich hab drei Haare auf der Brust und bin ein Bär“, singt der Mann im Schunkelrhythmus, kaum hat man es geschafft, sich unbeschadet an der Bühne vorbeizuschieben, schallt einem das nächste Schunkellied entgegen.

Die Straßenfeste ähneln sich doch sehr: Grillwürstchen, Crepe- und Bierbuden, Süßigkeiten, kleine Fahrgeschäfte, Billig-Modeschmuck aus Fernost und Krach einheimische Musik im 4/4-Takt. Aber schön bunt ist es.

Wer Glück hat, gewinnt ein Playboy-Bunny für die lieben Kleinen zu Hause …

Hanns-Hartmann-Platz

„Kitsch“ ist kein wissenschaftlicher Begriff, sondern eher einer des Gefühls, eine Art Sammelbegriff für eine Kunst, der wir das Kunstwollen UND das Scheitern daran ansehen. Die Ränder des Begriffs Kitsch sind also fließend, hängen ebenso vom Vorwissen des Betrachters wie auch von gängigen Moden und Vor-Urteilen ab: Was gestern noch Kitsch war, ist morgen vielleicht schon große Kunst, und was ist überhaupt mit den Künstlern, die Kitschmotive ganz bewußt in ihren Arbeiten einsetzen? Nur eins ist ganz sicher: Kitsch und Kunst sind keine Gegensätze, Kitsch ist Kunst, die Frage ist nur, ob gute oder schlechte.
Ein Gefühl dafür kann man gut auf diesem Bildermarkt entwickeln.

Antoniterkirche

Die Antoniterkirche (s. auch gestern) mitten in einer der meistbesuchten Fußgängerzonen der Republik wurde bereits im 14. Jahrhundert in gotischem Stil gebaut, ohne Turm, wie es für Kirchenbauten von Bettelorden üblich war. Der Antoniterorden tat sich hervor durch Krankenpflege, die Bezeichnung der Krankheit Antoniusfeuer, eine durch den Mutterkornpilz verursachte sehr üble Erkrankung, geht direkt auf den Orden zurück.

Nachdem Napoleon Anfang des 19. Jahrhunderts die Kölner Kirchen als Unterkünfte für seine Soldaten, deren Pferde und das Vieh benutzt hatte – in Wirklichkeit, um den Katholen zu zeigen, was er von ihnen hielt – erlaubte er der evangelischen Gemeinde, sich erstmals in der Geschichte der Stadt zu etablieren und sich eine Kirche auszusuchen. Klugerweise waren sie bescheiden (sie hätten auch eine der vielen großen romanischen Kirchen wählen können), und so kommt es, daß das Gebäude auch heute noch in evangelischer Hand ist.

Werktäglich findet um 18 Uhr eine 10-minütige Andacht statt, um den einkaufswahnsinnigen Besuchern der Kaufhäuser die Chance zu einem Augenblick Ruhe zu geben. Ab und zu dürfen interessante Persönlichkeiten wie z.B. der katholische Theologe und Kirchenkritiker Eugen Drewermann Predigten halten.
Gegenüber der Kirche befindet sich das Weltstadthaus (=Bekleidungskaufhaus) von Renzo Piano:

Appellhofplatz

Das „Vierscheibenhaus“, von dem Architekten Hubert Petschnigg 1970 als Erweiterungsbau für den WDR gebaut, muß kürzlich eine neue Glasfassade erhalten haben, denn als ich es vor ein paar Jahren vom Dom aus fotografierte, sah es noch so aus:

Wallraf-Platz

Manchmal macht es Spaß, sich die Kamera um den Hals zu hängen und als Tourist durch die eigene Stadt zu laufen und die prominenten Plätze zu besuchen. Das Campi am Wallraf-Platz in der Nähe des Doms ist ein italienisches Restaurant/Café im Hauptgebäude des WDR – wenn man „Glück“ hat, trifft … nein, sieht man hier Fernseh-Prominenz. Der Kellner hatte ganz entfernt Ähnlichkeit mit Rangar Yogeshwar. Toll! Dafür kosten drei kleine Getränke inkl. Trinkgeld 8 Euro …

Hansaring

Ein kleiner Teil der Ende des 19. Jahrhunderts geschleiften Stadtmauer, eingebettet in eine kleine Parkanlage. Im Schatten des kleinen Turms befindet sich eine deutsch-türkische Begegnungsstätte, allerdings ist in jedem Dönerimbiß mehr Begegnung als hier, aber vielleicht täusche ich mich und zu bestimmten Zeiten geht hier die Post ab.

Hochzeit in der Stadt

Hochzeitsempfang auf dem Rathausvorplatz – sehr schön sieht man die Renaissancelaube, die 1573 fertiggestellt wurde. Die Brautleute sind offenbar im Karneval engagiert:

Und da sind sie auch schon. Nur ein Vollblutskeptiker (oder Unbeteiligter, wie ich) hat zu dieser „Hohen Zeit“ den unedlen und bangen Gedanken, daß die Scheidungsrate in Städten bei ca. 50% liegt. Also hat man allen Grund, alles Gute zu wünschen!

Weidenbach

Im Brauhaus „Weiss Bräu“ hat man es irgendwie mit der Zahl 10, ich hatte keine Lust, danach zu fragen. Aber 10 Schnäpse braucht man auch, wenn man folgendes gegessen hat: „10 Köstlichkeiten ab 2 Personen: Knusprige Spareribs mit BBQ Soße, rösche Haxe, Putenspieße vom Grill, echte Nürnberger Rostbratwürste, saftiger Schweinsbraten aus dem Ofen mit allerlei diversen Beilagen und Hausspezialitäten – angerichtet auf einer großen Platte, serviert auf dem Tisch und die ganze G`schicht kost bloß 17,00 pro Person.“ (Zitat aus der Speisekarte). So sieht es aus, wenn es bereits halb abgegessen ist (ich habe es heimlich vom Nebentisch fotografiert):

Aber es ist wirklich ganz nett hier, relaxt sitzt man im 1. Stock auf einer Dachterrasse, das Bier schmeckt einigermaßen (obwohl es Kölsch ist), und der kleine Snack (Flammenkuchen) ist zwar teuer, aber gut. Hier war ich nicht das letzte Mal.