9. November 1938

Auch diese Synagoge wurde heute auf den Tag genau vor 70 Jahren in der sogenannten Reichsprogromnacht verwüstet.

11.000 jüdische Opfer allein aus Köln kostete die Nazibarbarei. Obwohl die Nazis gegen Ende des Krieges versuchten, ihre Untaten zu vertuschen, indem sie alle Unterlagen verbrannten, konnten sie nicht verhindern, daß jemand eine geheime Abschrift der bürokratisch ordentlich geführten Opferlisten anfertigte.

Diese Synagoge (Außenansicht hier) ist die einzige von sieben, die nach dem 2. Weltkrieg wieder aufgebaut wurde.

In die Kirchenhalle wurde ein Zwischenboden gezogen, im unteren Teil befinden sich nun Verwaltung, Gemeinderäume und ein koscheres Restaurant, in das man jedoch – genau wie in die Kirche überhaupt – nur nach Voranmeldung kommt.

Inzwischen hat die Gemeinde, besonders durch osteuropäischen Zuzug, wieder 4000 Mitglieder, und auch in anderen Stadtteilen gibt es jüdische Treffpunkte.

Die Synagoge wird fast ständig von der Polizei bewacht und mit Videoanlage und Gittern abgesichert.

„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“ B. Brecht

Weidenbach

Wenn’s draußen kalt und ungemütlich ist, wird es drinnen gleich noch heimeliger. Im Moment ist noch nicht viel los im „Weiss Bräu“, aber das ändert sich bald, die meisten Tische sind reserviert. Das Essen ist diesmal nicht so prall, wie es die Preise eigentlich vermuten lassen, aber okay, das Ambiente stimmt, nächstes mal eben nur zum Trinken und Quatschen.

Hänneschen am Eisenmarkt

Das Hänneschen-Theater ist ein Mundart-Puppentheater mit langer Tradition. Schon seit 1802 finden regelmäßig nachmittags Kinder- und abends Erwachsenenvorstellungen statt. Die Figuren werden jeweils an einem Stock geführt, eine weitere Stange bewegt den rechten Arm. Während der 5. Jahreszeit werden Karnevalssitzungen persifliert, in der Vorweihnachtszeit führt man Krippenspiele auf. Die Hauptfiguren sind das Hänneschen, seine Schwester/Freundin (je nach dem Alter des Publikums) Bärbel, Tünnes und Schäl und andere, manchmal werden auch, wie bei Spitting Image, lebende Personen karikiert.

Der Stadtführer Martin Stankowski weiß zu berichten: „Zur Wiedereröffnung [am Eisenmarkt] am 31. Juli 1938 spielte man die Geschichte der alten Stockpuppen-Bühne nach. Dabei trat ein Bösewicht und Halsabschneider auf, der die Gründung des Hänneschen fast verhindert hätte, eine ausbeuterische und habgierige Person in Gestalt des jüdischen Pferdehändlers Abraham Schmul. Solche antisemitischen Tendenzen waren keine Ausnahmen in der Zeit […]“.

Schokolädsche jefällisch? 1 Groschen!

Es war die Kölner Schokoladenfabrik Stollwerk, die im Jahre 1887 die ersten Verkaufsautomaten in Deutschland aufstellte, nach nur sechs Jahren waren es bereits 15000 Stück, die in den Städten die Bewohner zum Naschen verführen sollten. Die Idee kam so gut an, daß Stollwerk eine Schokoladenautomatenfabrik in New York errichtete, schon nach kurzer Zeit standen über 4000 auf New Yorker Bahnhöfen. (Quelle: Wikipedia)
Dieses Exemplar kann man im Kölner Stadtmuseum bewundern.

Heute gibt es die leider nicht mehr – warum können eigentlich in einer Stadtmöblierung nicht wenigstens ein paar alte Stücke stehen, irgendetwas, was schon immer da war? Allein aus Loyalität würde ich ab und zu ein Stück Schokolade ziehen, auch wenn ich kaum welche esse. Stattdessen steht aufwändig am Ende der miniaturisierten Produktionsstraße im Schokoladenmuseum ein großer Schokoladenbrunnen, an dem eine Angestellte herumsitzen muß, um jedem Besucher einen (!) Keks zu reichen, den sie vorher in die flüssige Schokolade getaucht hat. Der Automat um die Ecke wäre mir lieber.

Japanisches Kulturinstitut

Im Japanischen Kulturinstitut bei der Fotoausstellung „Szenen der Kindheit – 60 Jahre Nachkriegsjapan“ abfotografiert (5 von 85).


WADA Kunio, Präfektur Kagoshima, 1965


KUMAKIRI Keisuke, Osaka, 1966


ONISHI Yoshimasa, Präfektur Gifu, 1983 (592 Schüler schlagen gelichzeitig eine Brücke)


SHIRAI Kazunari, Tokyo, 2000


KUMAKIRI Daisuke, Tokyo, 2005

Zugabe:


VIDEBI Tis, Köln, 2008

Katharinengraben/Am Leystapel

Was haben dieses …

und dieses Haus gemeinsam?

Erst mal nichts, oder? Des Rätsels Lösung: Sie haben den selben Ort in der Stadt.

Die neue deutsche Zentrale von Microsoft steht am aufwändig neu gestaltetem Rheinauhafen, zig neue oder entkernte und renovierte Gebäude entstehen hier zur Zeit, tausende von Büros, Garagen, Gastronomiebetriebe, First-Class-Geschäfte und und und werden in nicht allzuferner Zeit hier entstanden sein (zwei der drei Kranhäuser stehen schon, ich berichte nächste Woche).
Nur durch eine vierspurige Straße getrennt steht das gelungene Resultat eines Resozialisierungsprojekts. Mitte der 90er holten Kölner Streetworker zehn Punker von der Straße und boten ihnen Hilfe bei der Mindesteingliederung in die Gesellschaft an. Die Stadt mietete dieses Haus, und da das Leben auf der Straße in der Vorstellung vielleicht romantisch, in Wirklichkeit aber kein Zuckerschlecken ist, nahmen die Punker an und zogen ein. Das Projekt ist lange abgeschlossen, die Punker wohnen hier seitdem als Hausgemeinschaft, Sozialarbeiter haben keinen Grund mehr zur Betreuung, auch wenn die Bewohner ihre Miete weiterhin an die Stadt bezahlen, die es an den Eigentümer weitergibt. Der hat nun gewechselt – und der Hausgemeinschaft prompt die Kündigung ins Haus geschickt – das Gebäude sei ein Schandfleck, passe nicht mehr in die Umgebung, und dasselbe gilt wahrscheinlich von den Bewohnern. Auf deren Nachfrage, wohin sie denn so schnell sollen, bot man ihnen ernsthaft eine Unterkunft im Obdachlosenheim an – man faßt es nicht. Inzwischen hat sich nach Protesten die Politik der Sache angenommen, man wird vermutlich eine neu Bleibe finden. Ich finde allerdings schade, daß eine Stadt, die ihre Multikulturalität und Toleranz als oberste Tugenden auf ihre Fahnen schreibt, es nicht schafft, ein tatsächliches Nebeneinander verschiedener Bevölkerungsteile zu fördern und zu fordern, wenn es dem Mammon entgegensteht. Was nun hierhin gebaut wird? Schickimicki-Wohnungen für Schickmicki-Leute, die bereit sind, etwas mehr zu zahlen.

Worringen

Als Irmgards Vater stirbt, gehen alle Würden und Ämter, aller Besitz auf Irmgards Mann Rainald über – so war das eben im 13. Jahrhundert. Ein Jahr später stirbt Irmgard kinderlos, Rainald ist untröstlich, oder jedenfalls fast, ist er doch noch gerade rechtzeitig der Herzog von Limburg geworden.

Die Verwandten Irmgards väterlicherseits sehen das allerdings nicht so ganz ein: Nur durch den Umstand, daß Irmgard ihren Vater ein Jahr überlebt hat, sollen sie nun leer ausgehen? Aber was soll man machen, wenn man keine Mittel hat, dagegen anzugehen? Ganz einfach: Man sucht sich jemanden, dem man seine Ansprüche verkaufen kann, auch wenn der eigentlich kaum etwas mit der ganzen Angelegenheit zu tun hat: Johann tritt auf den Plan, als Herzog von Brabant hat er Mittel und Wege, Rainald Paroli zu bieten. Dieser wiederum nicht faul, zieht den Kölner Erzbischof Siegfried, den ungeliebten Herrscher des Niederrheins, auf seine Seite, der angesichts eines erstarkten Johanns um seine Macht fürchtete.

Die Kölner Bürger, mit ihrem Erzbischof im Zwist lebend (ist ja heute auch nicht anders), schließen sich kurzerhand der Gegenseite an, und nach vielem hin und her ist es schließlich soweit: Am 5. Juni 1288 beginnt um 11 Uhr die Schlacht von Worringen (damals ein kleines Örtchen nördlich von Köln und heute ein Kölner Stadtteil), die größte Ritterschlacht, die es je gegeben hat.

Auf der einen Seite führt Erzbischof Siegfried seine Truppen an, auf der anderen Seite Johann von Brabant, insgesamt waren 5100 Panzerritter und 3900 Mann Fußvolk beteiligt, und um 17 Uhr, also nach nur sechs Stunden, war schon alles wieder vorbei.

Wer hat gewonnen? „Wir natürlich“, sagt auch heute noch der Kölner selbstzufrieden, dessen Vorfahren unter Johann gegen ihren Erzbischof gekämpft hatten. 1800 Tote, allein in Köln gab es nach der Schlacht ca. 700 Witwen mehr. Eigentlich machte man das nicht in Ritterschlachten, der Ehrenkodex sah vor, zu siegen, aber nicht zu töten, gefangene Ritter versprachen ein schönes Lösegeld, aber (und das ist wahrhaftig kein Grund, stolz zu sein):

„Die Kampfweise der bergischen Bauern und der Kölner Miliz wird dergestalt beschrieben, dass sie auf alles und jeden einschlugen, egal ob Feind oder Freund. Vermutlich lag dies auch daran, dass sie die meisten Wappen nicht kannten und deswegen kaum zwischen Feind und Freund unterscheiden konnten.“ (Zitat Wikipedia).
Tja, heutzutage nennt man das ‚friendly fire‘, wenn man seinen eigenen Kollegen niedermetzelt.

Eine Folge war, daß der Kölner Erzbischof seine Macht verlor und auch keiner der nachfolgenden sie je wieder erlangen konnte, das kapitalkräftige Bürgertum entscheidet seitdem die Geschicke der Stadt.
Eine andere Folge sitzt den Kölnern aber seitdem als ewiges Ärgernis im Nacken, nun schon seit über 700 Jahren: Das nahe Düsseldorf erhielt Stadtrecht, um sich als wirtschaftliche Macht gegen den Kölner Erzbischof etablieren zu können, und besonders ärgerlich für die Hiesigen ist, daß die Düsseldorfer es geschafft haben, obwohl die Stadt 1300 Jahre jünger ist als Köln.

Heute kämpft hier keiner mehr, allenfalls noch die Fernsehsender um die vorderen Plätze auf den Fernbedienungen. Aber im Worringer Bruch kann man sehr schön spazierengehen.

Am Leystapel

Dernier cri in den Metropolen: Ein Vier-Gänge-Menü in 50 Meter Höhe. Ein Tisch mit 22 Sitzen hängt an einem Kran, die Gäste sitzen festgegurtet in Schalensitzen und lassen sich von einem Koch, der in der Mitte frei herumläuft, bekochen. 159,00 Euro pro Person, alkoholische Getränke extra – nicht alle Leute sind von der Finanzmisere betroffen (ich übrigens schon, allerdings schon seit 30 Jahren). Wer mal Pinkeln muß, läßt es einfach laufen – ich habe mal gehört, daß das in bayerischen Bierzelten jedenfalls so gehandhabt wird. Hier natürlich nicht, in 30 Sekunden ist der Tisch unten.

Im Schokoladenmuseumsschokoladenladen

Im Laden des Schokoladenmuseums trifft der Blick unversehens auf eine Beleidigung: „Leck mich“, steht da, man erwartet „Hau bloß ab!“ oder
„Verp dich, Du !“. Ist das eine neue Verkaufsstrategie? Erwartet man, daß die Käufer denken: „Hey, geil, das muß ich haben, das schenke ich Onkel Kurt zu Weihnachten, hehe.“? Nichts dergleichen, es ist noch schlimmer: Man soll seinem oder seiner Liebsten Schokoladen-Body-Paint irgendwo auf die nackte Haut malen und das dann ablecken. Oder sich selbst und das dann ablecken lassen. Braucht man dazu Schokolade? Gut, jeder nach seinem Geschmack. Aber ich sehe schon karnevalistische Witzbolde, die sich während der tollen Tage damit einschmieren und zur allgemeinen Verfügung stellen, in der Hoffnung, so zu Kontakten zu kommen, die frau nicht einmal mit einem Ganzkörpergummi eingehen möchte.
Diese Herren in Uniform läßt das völlig ungerührt.