
Diese Situation kennt fast jeder, oder? Im Kino, gespannte Erwartung, wie lange dauert es denn noch? Hoffentlich quatschen die da links nicht auch während des Films so viel, und das Freundchen daneben soll sich bloß beeilen mit seinen Knistertüten. Im Moment noch freie Sicht, aber das kenn ich: Mit fünfminütiger Verspätung mischt ein Zuspätkommer alle Reihen auf und setzt sich ausgerechnet wohin? Genau – vor meine Nase, ein Sitzriese mit ausufernder Afrofrisur. Heute nicht, nochmal Glück gehabt. Ich war in einer Premiere (hört hört):

„33 Szenen aus dem Leben“, ich habe aber nicht mitgezählt. Ein polnischer Film mit deutscher Hauptdarstellerin – angeblich, so wurde hinterher erzählt, weil sie in Polen ein unbekanntes Gesicht ist, aber ich vermute, man hatte auch den deutschen Markt im Visier, denn Julia Jentsch ist ja hier durchaus keine Unbekannte.
Der Film, dessen Geschichte autobiographische Züge der Regisseurin haben soll, beleuchtet eine Umbruchzeit im Leben einer jungen Künstlerin: Innerhalb kurzer Zeit verliert sie ihre plötzlich erkrankende Mutter (quälend intensiv gespielt, lange Szenen, kaum auszuhalten), der Vater verfällt dem Suff und stirbt auch, ihre Beziehung kriselt und ihre berufliche Zukunft ist ungewiß. Uff. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine absurde Szenen, ganz gut gemacht, fast wie im richtigen Leben. Insgesamt kann ich sagen: Nicht soo schlecht, aber mich hat er leicht genervt: Julia Jentsch war schon besser (wer hat ihr nur diese leierige Stimme verpaßt), die schauspielerische Leistung der Mutterfigur ist großartig, aber eben deshalb kaum zu ertragen, und alles andere ist so lala, insgesamt ist die Geschichte zu mager. Wie hinterher aber erzählt wurde (neben Julia Jentsch war der Produzent und noch irgendjemand anwesend), hat der Film in Polen viel Aufruhr verursacht, zum einen, weil diese Art des filmischen Geschichtenerzählens dort relativ neu ist, zum anderen, weil mit dem Thema Tod und Kirche so umgegangen wird, wie es katholisch-konservative Kräfte in Polen gar nicht schätzen.

Zum Abschluß gab’s im Foyer des Odeons Sekt für lau, nett.
