Weihnachtsmarkt Siegburg

Wieder einmal ein Besuch auf dem mittelalterlichen Markt in Siegburg, eine halbe Stunde S-Bahnfahrt von Köln. Sehr nett, viel offenes Feuer, liebevoll hergerichte Verkaufsbuden mit viel Krimskrams aus Handarbeit und Werken.

Man sollte allerdings besser nicht am Wochenende hinfahren, so wie ich, es ist arg voll, und wenn man eine leckere Teigtasche mit Falafel und Salat haben möchte, braucht man Stehvermögen. Dafür wird man zwischendurch von Geschichtenerzählern oder Fackeljongleuren unterhalten.

Eintrachtstr.

Eins der größten Übel der Großstadt ist der Lärm, deshalb sollte man sich seine Wohnung auch unter diesem Gesichtspunkt gut aussuchen, denn wenigstens die sollte ja ein Rückzugsgebiet sein. Fatal kann es z.B. sein, wenn man tagsüber eine tolle Wohnung in zentraler Lage zu einem annehmbaren Preis besichtigt – alles ruhig, alles prima – und schon am ersten Abend nach dem Umzug wummern bis tief in die Nacht hinein die Bässe aus der benachbarten Bar. Wenig machen kann man auch, wenn sich plötzlich Bars und Kneipen um einen herum ansiedeln – mögen Freunde und Bekannte auch entzückt sein über die Lebendigkeit der Straße, die Ruhestörung betrunkener Gäste und nächtens gesungener Karnevalslieder kann einem den Schlaf und den letzten Nerv rauben. Straßen-, S-Bahn- und Zugtrassen sind schön, wenn sie in der Nähe sind, da ist man mobil, wenn einem aber die Fahrgäste ins Zimmer schauen können, hat man was falsch gemacht.

Kölner Verkehrsbetriebe

Wer in der Straßen-/U-Bahn schwarzfährt, muß 60 Euro zahlen, kann dann aber weiterfahren, wohin auch immer er will. Wer in der U-Bahnhaltestelle raucht und dabei erwischt wird, muß 15 Euro zahlen – darf der die Kippe dann zu Ende rauchen? In der U-Bahn rauchen kann übrigens ziemlich teuer werden: „Bis zu 1000 Euro“ wird angedroht, was auch immer das heißt, „bis zu“. Bei Zigarren vielleicht? Oder Joints? Die KVB haben in diesem Jahr eine „Sauberkeitoffensive“ [sic] gestartet. Gemeint ist nicht zusätzliches Reinigungspersonal oder im übertragenen Sinne mehr Pünktlichkeit („Sauber, da ist ja die Bahn“), sondern das Verbot von Essen und Trinken in den Bahnen, nur Wasser und Müsli-Riegel sind erlaubt. Wer dagegen verstößt, muß die Bahn verlassen – „oder 20 Euro zahlen“ habe ich auf einem Plakat gelesen. Da ist die Antwort: „oder“! Für einen 20er darf man also aufessen und für 15 Euro auch noch eine rauchen.

Hohenstaufenring

Das Hotel Esplanade ist nicht viel breiter, als auf diesem Bild zu sehen ist, aber vermutlich eine gute Adresse, nach den Preisen zu urteilen: Ein Einzelzimmer inkl. Frühstück kostet ab 78,78 Euro pro Nacht, ein Doppelzimmer 99,99 – ja, wir sind in Köln, wo die Ureinwohner den Karneval das ganze Jahr über im Herzen tragen. Das Portal sieht nach 50er-Jahre-Stil aus, leider ist nirgends ein livrierter Portier zu sehen.
Wer hier absteigt, hat den Ort gut gewählt: In der Nähe des Studentenviertels, wo die Kneipen viel interessanter sind als in der sogenannten historischen Altstadt, mehr Leben und trotzdem zentral.

Odeon in der Severinsstr.

Diese Situation kennt fast jeder, oder? Im Kino, gespannte Erwartung, wie lange dauert es denn noch? Hoffentlich quatschen die da links nicht auch während des Films so viel, und das Freundchen daneben soll sich bloß beeilen mit seinen Knistertüten. Im Moment noch freie Sicht, aber das kenn ich: Mit fünfminütiger Verspätung mischt ein Zuspätkommer alle Reihen auf und setzt sich ausgerechnet wohin? Genau – vor meine Nase, ein Sitzriese mit ausufernder Afrofrisur. Heute nicht, nochmal Glück gehabt. Ich war in einer Premiere (hört hört):

„33 Szenen aus dem Leben“, ich habe aber nicht mitgezählt. Ein polnischer Film mit deutscher Hauptdarstellerin – angeblich, so wurde hinterher erzählt, weil sie in Polen ein unbekanntes Gesicht ist, aber ich vermute, man hatte auch den deutschen Markt im Visier, denn Julia Jentsch ist ja hier durchaus keine Unbekannte.
Der Film, dessen Geschichte autobiographische Züge der Regisseurin haben soll, beleuchtet eine Umbruchzeit im Leben einer jungen Künstlerin: Innerhalb kurzer Zeit verliert sie ihre plötzlich erkrankende Mutter (quälend intensiv gespielt, lange Szenen, kaum auszuhalten), der Vater verfällt dem Suff und stirbt auch, ihre Beziehung kriselt und ihre berufliche Zukunft ist ungewiß. Uff. Zwischendurch gibt es immer wieder kleine absurde Szenen, ganz gut gemacht, fast wie im richtigen Leben. Insgesamt kann ich sagen: Nicht soo schlecht, aber mich hat er leicht genervt: Julia Jentsch war schon besser (wer hat ihr nur diese leierige Stimme verpaßt), die schauspielerische Leistung der Mutterfigur ist großartig, aber eben deshalb kaum zu ertragen, und alles andere ist so lala, insgesamt ist die Geschichte zu mager. Wie hinterher aber erzählt wurde (neben Julia Jentsch war der Produzent und noch irgendjemand anwesend), hat der Film in Polen viel Aufruhr verursacht, zum einen, weil diese Art des filmischen Geschichtenerzählens dort relativ neu ist, zum anderen, weil mit dem Thema Tod und Kirche so umgegangen wird, wie es katholisch-konservative Kräfte in Polen gar nicht schätzen.

Zum Abschluß gab’s im Foyer des Odeons Sekt für lau, nett.

Kerpener Str.

Jahrelang bin ich auf dem Weg zur Arbeit an diesem Kunstwerk vorbei gefahren und habe mich immer bedauernd gefragt, wieso das eigentlich niemand repariert, irgendwie erschien es mir falsch, diese eingebeulten Stahllinsen, wie sie da verschoben im Netz durchhängen. Um so überraschter war ich, als ich erfuhr, das alles seine Richtigkeit hat. „Doppelkörper in flexiblem Stahlnetz“ heißt es und ist von dem Kölner Künstler Ansgar Nierhoff 1971 geschaffen worden. Das Verlagshaus Wienand hat es 1985 gekauft und zwischen die beiden Brandmauern gehängt. Man kann davon halten, was man will: Irritierend ist es auf jeden Fall.

Zülpicher Str.

Vitamine, Vitamine – jeder weiß, wie wichtig die gerade in der Winterzeit sind: Schöne Gurken, reife Tomaten, Birnen, Mandarinen, Pfirsiche, ein wunderschöner Fliegenpilz …

… Moment – ein Fliegenpilz? Ach soo, hier des Rätsels Lösung: Ein Marzipan-Paradies, deswegen steht auch nicht „Früchte“, sondern „Bäckerei“ auf der Markise (ich Dussel).

Ausflug zur Heilquelle

Bei dem kleinen Örtchen Herchen im Rhein-Sieg-Kreis liegt das Ohmbachtal, ein Waldgebiet mit schönem Rundwanderweg, an dem eine Heilquelle liegt. Die Frage, wie abergläubisch die christliche Religion eigentlich sein darf, erspare ich mir, denn meiner Meinung nach ist jede Religion Aberglaube pur.

Die Legende geht folgendermaßen, wie auf dem Schild zu lesen ist:
„Guntram von Kranz, ein wilder Raubritter, der grausamste Tyrann seiner Hörigen, hauste im 13. Jahrhundert auf seiner Feste Graenz im Bruxbachthale. Er ließ einmal einen Greis wegen leichten Holzfrevels blenden. Aber in demselben Augenblick, wo diese Greueltat vollzogen wurde, verlor seine Tochter, des Vaters Liebling, plötzlich das Licht der Augen. Ritter Guntram fiel 1298 unter dem Banner Kaiser Adolfs von Nassau gegen Albrecht von Östreich in der Schlacht am Hasenbühl bei Göllstein. Seine Burg wurde von Albrechts Anhängern zerstört. Das blinde Burgfräulein faßte in seiner Ratlosigkeit den Entschluß, im Frieden des Klosters zu Herchen eine Zufluchtsstätte zu suchen. Auf dem Wege dahin gelangte sie mit ihrer Begleiterin zu einer hell sprudelnden Quelle in der Einsamkeit des Ohmbach-Thales. Ihre Führerin wäscht dem von der Hitze des Tages erschöpften Mädchen mit dem Wasser des Börnleins das Gesicht. Und kaum hatte das Wasser ihre Augen berührt, so erfreut sie auch neubelebend des Lichtes Strahl, und bergansteigend sieht sie am fernen Ufer der Sieg des Klosters Raum, ihr Asyl, herüberschimmern. Seit diesem wunderbaren Erlebnisse war der Born eine vielbesuchte Heilquelle für die ganze Gegend.“
Ich habe die Hand hineingehalten, und oh Wunder, als ich sie wieder herauszog, war sie naß!