Café im Schokoladenmuseum

Man könnte denken, ich wäre oft hier, aber tatsächlich bin ich in dem Museumscafé zum ersten Mal, es liegt günstig, wenn man sonntags am Rhein spazieren geht, der Wind dann aber so kalt pfeift, daß die Lust auf heiße Getränke den Bewegungsdrang leicht besiegt.

Kuchen und Kaffee sind nicht schlecht, allerdings nichts, weswegen man extra hierher kommen würde, und die Preise sind gesalzen. Aber es ist trotz der Fülle einigermaßen gemütlich und der Ausblick will natürlich auch bezahlt sein.

Auf dem Weg zum Ausgang schnell noch einen Blick in den Schokoladenladen – aha, Ostern ist auch nicht mehr weit.

Engelbertstr.

Manchmal, wenn ich durch die Stadt wandere, frage ich mich: Wie kommt das zustande? Dieses kleine Zwischenhäuschen gehorcht wohl kaum ökonomischen Interessen, sonst hätte man es doch sicherlich bis nach vorn gebaut. Besonders gepflegt sieht es auch nicht aus, im Gegenteil, leicht heruntergekommen, und markiert gleichzeitig den dicken Max mit seinen Balkonen, von denen die anderen Häuser in der Gegend nur träumen können: Hohoho, seht her, ich bin zwar klein und mickrig, aber ich habe gleich drei!

Im rückwärtigen Schaufensters des Ladens im Erdgeschoß hängt ein magersüchtiger Weihnachtsmann, der aussieht, als wäre er aufgeknüpft, vielleicht ist er deshalb so dünn. „Headwork“ – ist hier etwa ein „Think Tank“? Wissenschaftler, die sich die Haare raufen, um die Probleme der Welt zu bewältigen? Nicht ganz, nur „Haare“ stimmt: Das ist ein äußerst vielbesuchter und angesagter Frisörladen mit ganz jungen hippen Angestellten und einem eigenen Diskjockey, der die neusten umz-umz-umz-Platten reitet, das alles zu Preisen, mit denen man innerhalb kürzester Zeit das Häuschen ein wenig renovieren könnte – aber bitte bloß nicht zu viel, es soll ja nicht seinen Charme verlieren!

Nachtrag um 16. Uhr: Gerade erreicht mich eine email einer Freundin: „Der vielbesuchte hippe Laden mit (nicht eigenem, sondern manchmal Gast-Discjockey, keine Größen, eher unbekannte DJs) ist Kastenbein & Bosch: Headwork ist nicht mehr ganz so gut besucht und da läuft Radio.“ Danke!

Rheinuferstraße

Das Plakat hat folgenden Hintergrund: Ich hatte ja schon mal erzählt, daß in Köln (meiner Ansicht nach) überflüssigerweise eine neue U-Bahnstrecke gebaut wird, immerhin 10/15 Minuten kann man da an Zeit sparen als Resultat einer Investition von bereits über einer Milliarde Euro …
Jedenfalls, bevor die neue Bahn auf die alten Gleise am südlichen Rheinufer trifft, muß sie an die Oberfläche kommen, nach dem Plan blöderweise vor der vierspurigen, stark befahrenen Rheinuferstraße. Kein Problem: Ampelanlage, fertig – dachte man. Da die Bahnen aber im 5-Minutentakt fahren sollen, also Rotlicht für die Straße alle zweieinhalb Minuten, befürchtet man Staus, die sich bis auf die anderen Hauptverkehrsadern der Stadt ausweiten. Eine Untertunnelung der Straße ist zu teuer, also scheint es nur eine Lösung zu geben: Der Stauraum muß erweitert werden, mit anderen Worten: Aus der vierspurigen Rheinuferstraße soll eine sechsspurige werden, die Autos stehen dann zwar genauso lange vor den Schranken, aber weiter hinten kann er wenigstens noch fließen. Zwei Spuren mehr auf einer Strecke von über einem Kilometer, das braucht Platz, der leider von diesen unpraktischen Bäumen besetzt ist, bis zu 180 Stück müssen also der Kettensäge zum Opfer fallen, der Ratsbeschluß (CDU und SPD) ist schon gefällt.
Die Anwohner finden das gar nicht witzig, haben eine Bürgerinitiative gebildet und kämpfen mit Unterstützung diverser Umweltschutzgruppen für eine Untertunnelung. Die Grünen sind übrigens der Meinung, man solle erst einmal die Verkehrsentwicklung abwarten und weder Untertunnelung noch Straßenausbau angehen, womit die Anwohner aber auch nicht einverstanden sind: Sie befürchten, daß die Autofahrer dann nach Schleichwegen durch ihr Viertel suchen.
Der Oberbürgermeister (CDU) hat inzwischen den Vorschlag gemacht, man könne vielleicht das Geld aus dem Bundeskonjunkturpaket für eine Untertunnelung einsetzen, davon will sein Gegenspieler von der SPD aber nichts wissen – jedenfalls nicht jetzt, zur Wahlkampfzeit. Die Bäume sollten schon mal die Sägen schärfen …

Auch diese schöne Fußgängerallee soll weichen. Hier noch ein paar Bilder vom Baumbestand, den es bald vielleicht nicht mehr geben wird.

Wohnpark Bayenthal

Es gab ja mal eine Zeit, man kann es kaum glauben angesichts der großen Not, in der sie sich momentan selbstverschuldet befinden, da hatten die Banken und Versicherungen so viel Geld, daß sie nicht wußten, wohin damit, also erwarben sie Land, bauten fix und billig große Häuser mit Wohnungen darauf, die sie teuer vermieten und verkaufen konnten – um in der Folge noch mehr Geld zu haben. Verzweifelt vor die Wahl gestellt, es einfach zu verbrennen oder es in Computern als Zahlen hin und her zu schieben, entschied man sich für letzteres: Da wurde gekauft und wieder verkauft, alles nur im Computer übers Internet nach Amerika und zurück, das störte niemanden und die Zahlen wurden immer größer – wie das auf Dauer funktionieren sollte, hat keiner gewußt, aber auch keinen interessiert, und nun haben sie viel mehr Geld verbrannt, als wenn sie für die Entsorgung durch die Müllverbrennung oder (Schreck laß nach!)durch konkrete, sozial motivierte Investitionen gesorgt hätten. Bravo!

Die Firma Allianz baute in den 70er Jahren auf ca. 490 Tsd. qm eine riesige Anlage mit 700 Wohnungen auf dem Gelände einer abgerissenen Maschinenfabrik, die Platz für ein paar Tausend Menschen bietet. Die beiden Türme sind 61 Meter hoch und haben jeweils 21 Etagen.

Stollwerck-Haus, Stollwerck-Villa

LillY fagte kürzlich nach der Villa der Schokoladenfabrikanten Stollwerck sowie nach ihrem Bürogebäude in der Hohe Str./Ecke Wallraf-Platz.

Das Büro- und Geschäftsgebäude „Stollwerck-Haus“, 1907 vom Architekten Carl Moritz fertiggestellt, sah früher so aus:

Stollwerck-Haus am Wallraffplatz, Wallrafplatz, 50667 Köln

Wie nicht anders zu erwarten, hat das Gebäude genau wie 90 % der anderen Bebauung der Innenstadt die Bombadierung des 2. WK nicht überstanden. Der Neubau macht nicht einen ganz so prächtigen Eindruck, aber immerhin, wie man an den Nachbargebäuden sehen kann, hätte man es auch schlechter machen können:

Die Stollwerck-Passage, die gern wegen des Klangs und als Schutz gegen die Kälte von Straßenmusikern genutzt wird, wurde an die selbe Stelle gesetzt, wo sie vorher auch war.




Die Stollwerck-Villa wurde auch um die Jahrhundertwende gebaut, an den Rand eines neu erschlossenen Gebiets, wo die Unternehmer und Fabrikanten unter sich blieben: Marienburg ist selbst heute noch eine äußerst exklusive Wohngegend. Gewerbe und Berufsausübung war für dieses Viertel verboten, selbst Rechtsanwälte und Ärzte durften hier bis nach dem 2. WK keine Praxen eröffnen.

Bismarck-Denkmal an der Villa Stollwerck, Gustav-Heinemann-Ufer, 50968 Köln

Die Villa gibt es nicht mehr – im Gegensatz zur potthäßlichen Bismarck-Säule links im Bild, deren Bau 1902 hauptsächlich von Carl Stollwerck finanziert wurde.

Die Säule ist ca. 30 Meter hoch und kann theoretisch über eine innere Treppe bestiegen werden, ganz oben kann in einer Schale ein Gasfeuer entzündet werden, um den zweifelhaften Ruhm Bismarcks weithin sichtbar zu machen. Die Renovierung war der Stadt im Jahr 2001 130000 Euro wert – meine Herren! Da steht man automatisch stramm.

PS: Die beiden Postkarten durfte ich mit freundlicher Genehmigung von BilderbuchKöln verlinken (ganz vielen Dank!) – eine tolle Seite übrigens, die viele sehenswerte Fotos der Stadt versammelt.

Cinenova

Wieder einmal im Kino: Das Cinenova versucht mit drei Kinosälen, anspruchsvollen Mainstream zu vermitteln: Zu sehen sind zwar Filme, die neu und starbesetzt sind, aber dennoch ein bestimmtes Niveau nicht unterschreiten. „Der fremde Sohn“ verlangt mit über zwei Stunden ein wenig Sitzfleisch, dennoch ist er ein guter sehenswerter Film, auch wenn ich nicht völlig begeistert bin: Hollywood-Unterhaltung eben.
Im angeschlossenen Café/Restaurant habe ich ein Novum erlebt: Eine unfreiwillig vegetarische Gulasch-Suppe, ganz lecker – keine Ahnung, wo das Fleisch abgeblieben ist, vom Koch wieder herausgefischt?.

Hohenstaufenring

Geschloßen – so schnell kann das gehen, kaum ein Jahr hat es sich gehalten, obwohl die Lage nicht so schlecht war, zwar nicht direkt im Studentenviertel, aber am Rand. Gut, das kann schon mal passieren: Auf der Hauptader brummt der Bär und man verdient sich sogar mit frittierter Pappe eine goldene Nase, und zweihundert Meter weiter in einer Nebenstraße ist nichts los. Allerdings ist die Stadt nicht so groß, daß gute Qualität zu vernünftigen Preisen sich nicht herumsprechen würde. Einmal war ich dort Essen, wir waren die einzigen Gäste. Die Speisen waren ganz okay, aber absolut nichts Besonderes, da gibt es bessere Inder in der Stadt. In meinem Bier schwamm irgendetwas gallertartiges – uaah! – auf meine Reklamation bekam ich schleunigst ein neues von einem frischen Faß, „Aufs Haus“, aber der Appetit war mir vergangen.