Panther

Der Panther

Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer Maria Rilke (1875 – 1926)

Sonntag

Und was macht man an einem sonnigen Sonntag in der Großstadt? Man geht Sehenswürdigkeiten betrachten …

… oder setzt sich in die Straßenbahn, fährt ein paar Stationen und landet im „Forstbotanischen Garten“.

Der ist ziemlich groß, viele alte Bäume, die Luft ist frisch und parfümiert …

… manchmal stinkt’s aber auch nach Moder und Abfall. Natur eben. Kein Wunder, wenn man sieht, daß die Büsche ihr altes Zeug einfach so auf den Boden schmeißen – das sollte ich mir mal erlauben!

Und mit Glück läuft einem eines jener seltenen Naturschauspiele über den Weg, weshalb sich der Ausflug allein gelohnt hat: Homo erectus germaniae im Sonntagsstaat – pssst, leise, sonst laufen sie weg!

Moltkestr., Ecke Jülicher Str.

Man kann sagen über die Einrichtungs-Mode der 70er Jahre, was man will, immerhin hatte sie Charakter. Orange und Brauntöne, viel Plastik und Furnier sollte sich abgrenzen von der Miefigkeit der 60er Jahre. Allerdings sollte man sich auch nicht täuschen lassen durch die heutigen Retroläden, die den Eindruck vermitteln, damals hätten alle so etwas gehabt: In den WG-Kreisen, in denen ich verkehrte, galt sowas wie auf dem Bild als fabrikneuer Schrott, man stellte sich lieber Omas alten Küchenschrank in die Wohnküche, zweiteilig, oben mit Glasscheiben in den Schranktürchen. Der war zwar ein Monstrum in seinen Ausmaßen, wurde aber liebevoll abgeschliffen und neu angemalt. Die Klamotten verstaute man in selbstgebastelten Regalen, und Designer-Lampen, wie sie oben zu sehen sind, wären höchster Ausdruck verabscheuungswürdiger Spießigkeit gewesen.

Spichernstr.

Street Art ist inzwischen viel mehr als bloße Graffiti aus der Spraydose. Da werden die verschiedensten Materialien eingesetzt: Metall, Papier, Fotos, um anspielungsreiche oder einfach fantasievolle Kunstwerke anonym an häßliche Mauern anzubringen.

Händelstr.

Ich hatte keine Ahnung von „Emily the Strange“, bis mir der kleine Laden mit den „Emily“-Produkten aufgefallen ist. Ich gehöre zwar nicht zur Zielgruppe, aber ich bin aufmerksam geworden – Ziel erreicht, jetzt müßte ich nur noch kaufen, habe aber keine Verwendung für Mädchenklamotten. Die 13-jährige Emily ist eine Comicfigur, zu Anfang allerdings ohne Comic, man hat zuerst Merchandising-Produkte, also T-Shirts, Kalender etc., mit ihrem Motiv entwickelt, die Comics folgten später. Wer sich mehr für diese stilisierte Nonkonformisten-Figur interessiert, kann bei Wikipedia nachlesen.

Biergarten Alteburg

… heißt so, weil er an der Alteburger Str. liegt, etwas versteckt in einem alten Hinterhof. Klein und wirklich sehr gemütlich, überall hängen geheimnisvolle Kunstwerke an den Wänden. Der Kellner war so nett, uns ungefragt vom Holzfällersteak abzuraten – zu zäh und zu sehnig – und stattdessen etwas anderes zu wählen. Was wir dann auch taten, und es war ausgezeichnet.

Venloer Str.

Die hohe Zeit der irischen Pubs in Deutschland ist, glaube ich, vorbei, und da die Leute immer weniger Geld für die Gastronomie haben, weil die Preise dort immens gestiegen sind, lohnt es sich wahrscheinlich immer weniger, das wohlschmeckende, aber noch mal extra teure Bier anzubieten. Und da weniger Leute kommen, ist auch das Essen nicht immer so frisch, wie es sein sollte, und man geht woanders hin, selbst wenn man es sich leisten will – eine Abwärtsspirale, die nicht selten zur Schließung führt. Ich kenne noch vier irische Kneipen in der Stadt, zwei liegen im Touristenviertel und leben von den Besuchern aus Großbritannien, eine liegt im Studentenviertel, und die auf dem Bild, die etwas abseits liegt – ich gebe ihr nicht mehr lange.

Blücherpark

„Ja, ist es denn gut, daß Marla um halb sieben noch auf den Spielplatz geht?!“ fragt der junge Vater mit gespielter Sorge, in der die Hoffnung mitschwingt, daß es viel zu spät ist – die Sportschau ist noch nicht zu Ende. „Aber sicher,“ antwortet die Mutter scharf, dann zuckersüß im antiautoritären Singsang zu ihrer Tochter: „Du möchtest doch noch gerne auf den Spielplatz, oder Marla?“
Hätte die ca. vierjährige Marla schon die nötige Urteilskraft und den entsprechenden Wortschatz, würde sie wahrscheinlich antworten: „Ich bin vier Jahre alt und objektiv weitgehend gefühlsgesteuert in meinen von Kurzfristigkeit geprägten Entscheidungen, ihr seid meine Eltern, ich habe ein Recht darauf, daß ihr wißt, was gut für mich ist!“ Stattdessen nickt Marla nur ergeben, vermutlich spürt sie nur, daß ihre Rolle die des Prellbocks ist zwischen ihren Eltern.

Der Blücherpark wurde zwischen 1911 und 1913 angelegt. Er ist ein Rechteck von 700 x 200 m, entsprechend streng geometrisch ist die ganze Gestaltung. Auf dem bei Sonnenschein leicht brackig riechenden Weiher kann man Ruderboot fahren, an einer Stirnseite befindet sich ein kleiner Biergarten, mehr ein Kiosk mit Außengastronomie. Bier, Säfte und Kaffee gibt es hier in Selbstbedienung, aber auch kleine Gerichte, wie z.B. Bockwurst mit Kartoffelsalat oder der obligatorische Salat mit Putenbrust, alles allerdings in guter Qualität (und entsprechenden Preisen).