Schaafenstr. / Rudolfplatz

Abrißhäuser entwickeln ihre ganz eigene Ästhetik und regen die Fantasie an, wenn man plötzlich von außen in halb abgewrackte Zimmer sehen kann: Was für Geschichten würden die Wände noch erzählen in der kurzen Zeit, die ihnen noch verbleibt, wenn sie könnten? Ein altes Bankgebäude, in dem – ganz nach dem Motto „Geld regiert die Welt“ – wahrscheinlich mehr Schicksale entschieden wurden als in einem normalen Wohngebäude …

Ende November 2008 erhielt das Gebäude traurige Berühmtheit: Anstatt die nötige Vorsicht walten zu lassen und entsprechend langsam vorzugehen, setzte die Abbruchfirma bei unzureichender Sicherung mitten in der Stadt eine Abrißbirne ein – Zeit ist Geld, und je schneller die Maschinen woanders eingesetzt werden, desto höher der Gewinn. Gesteinsbrocken flogen über den Zaun, die alarmierte Polizei mußte erstmal zu einer anderen Abteilung verbinden, die sich auch nicht zuständig fühlte und beim Ordnungsamt nachfragte, was man da wohl tun muß. Kurze Zeit später erschlug eine herabfallende Marmorplatte einen außerhalb der Absperrung stehenden Bauarbeiter.

0 Gedanken zu “Schaafenstr. / Rudolfplatz

  1. Schönes Mahnmal in jeder Hinsicht. So ist es eben: Time is money, money makes the world go round. Von der Weissagung der Cree sind wir meilenweit entfernt. Oder gar nicht mal so, je nach dem wie man das nimmt…

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  2. Als Mahnmal bleibt das leider nicht stehen, stattdessen werden sie einen „schönen“ neuen Zweckbau dahin setzen, wahrscheinlich so einen Riesentresor à la Dagobert Duck, damit sie in dem Geld baden können (wo ist nochmal gleich meine Panzerknackeruniform …). Wenn es so weit ist, mach ich ein Foto.

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