Dreikönigenschrein

Als ich dem Kardinal zurief, ob er mal so nett sein könne, eben mal die Kerzen ein wenig zur Seite zu rücken, unterbrach der nur kurz, was auch immer er gerade erzählte, und ignorierte mich dann völlig. Kein netter Mensch. Also gibt’s den Dreikönigenschrein nur mit Kerzen, tut mir Leid, Lilly.
Als Erzbischof Rainald von Dassel die Gebeine der heiligen drei Könige 1164 von Mailand nach Köln überführte (sie waren eine Kriegsbeute, komisch, daß die Italiener sie nicht zurückfordern), war man sich der ökonomischen Folgen gleich bewußt: Noch mehr Pilger und Schaulustige würden in die Stadt strömen und viel Geld da lassen. Um die Knochen angemessen zu präsentieren, wurde von 1181 bis 1230 der Dreikönigenschrein geschaffen. Er ist 1,53 m hoch, 2,20 m lang und 1,10 m breit, besteht unter anderem aus viel viel Gold und Silber. Da die alte Kirche nun auch nicht mehr angemessen schien und außerdem die Menschenmassen nicht mehr beherbergen konnte, fing man 1248 an, den gotischen Dom zu bauen, 1880 war er fertig. Über 600 Jahre Bauzeit – das wünscht man sich nicht als Bauherr, aber es hat sich gelohnt.
Soviel ich weiß, hat man inzwischen durch wissenschaftliche Untersuchungen herausgefunden, daß die Knochen nicht aus der Zeit stammen, die man ihnen zuschreibt. Tja.

9 Gedanken zu “Dreikönigenschrein

  1. An der Stelle, wo heute der Dom steht, hatten die Römer schon einen Tempel erbaut, dieser Ort diente also schon früh religiösen Zwecken. Kurz nach dem Mailänder Toleranzedikt 313, das Glaubensfreiheit gewährte, wurde hier die erste christliche Kirche gebaut, die bis zur Grundsteinlegung des gotischen, heute noch sichtbaren Baus 1248 immer wieder erweitert, umgebaut oder abgerissen und neu aufgebaut wurde. Die letzte Kirche vor dem heutigen Dom nennt man den „Alten Dom“, er wurde 858 fertiggestellt (870 geweiht) und ab 1248 nach und nach abgerissen. In der ersten Bauphase des neuen Doms wurde der Chor fertiggestellt, was bis 1322 dauerte, also immerhin 74 Jahre. Dort steht der Schrein auch heute noch.

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  2. Dann kennst du doch auch sicher die Geschichte der 11 Jungfrauen, die da vor Kölns Toren dermaleinst gemeuchelt wurden. Die sind ja symbolisch im Kölner Stadtwappen angeführt, das sind diese kleinen schwarzen Häkchen oder Tropfen. da habe ich mal gehört, das die Gebeine der 11 Jungfrauen eher gen 11.000 zählen.

    Dann gibt es da noch einen Witz, der den Gebeinkult gut widerspiegelt:
    Fragt ein Besucher den Museumswärter in der Kleopatra-Ausstellung nach den zwei unterschiedlich großen Totenschädeln.
    Wer das sei?
    Das ist Kleopatra, sagt der Wärter.
    Ach ja, sagt der Besucher und der andere?
    Das ist Kleopatra als kleines Kind.

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  3. :))
    Ja, die Heilige Ursula war in der Geschichtslegendenschreibung lange mit 11000 Jungfrauen unterwegs, was den Kirchenleuten gut paßte, denn der Handel mit Reliquien, also Knochenteilen etc. von Heiligen, war ein lukratives Geschäft. Inzwischen hat man herausgefunden, daß das ein schriftlicher Übertragungsfehler war, und aus den 11000 wurden nur noch 11, die neben Ursula in Köln von den bösen Hunnen gemeuchelt wurden. Siehe auch meinen Kommentar hier.

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