Luxemburger Str.

Noch herrscht bei Kaffee und Kuchen normaler Sonntagnachmittagsbetrieb im Eckstein, aber, wenn man genau hinsieht, die Flachbildschirme sind schon aufgestellt.

Die deutsche Mannschaft hat gut gespielt und verdient gewonnen, im B-fly läuft noch die Nachberichterstattung (im Fernsehen analysiert man sich um Kopf und Kragen), alle könnten zufrieden nach Hause gehen. Aber nein, eine solche Gelegenheit sollte man sich nicht entgehen lassen: Hupende Autocorsi durchziehen die Stadt, das Studentenviertel ist wieder halb abgeriegelt, damit sich die ausgelassenen Betrunkenen und der Verkehr nicht in die Quere kommen.

Luxemburger Str.

Hä?! – was soll das denn? Nix zu sehen auf dem Bild. Noch passiert ja auch nichts, aber gleich, gleich geht’s los, wenn das Licht gedämmt wird, der Vorhang geht auf, und wenn die Werbung vorbei ist, ist es endlich da: Kino!!
Das „Weißhauskino“ ist ein Familienbetrieb, die Süßigkeiten und Getränke werden gleich an der Kasse mitgekauft, der Kartenabreißer ist ein ca. 12-jähriger Junge (jedenfalls nachmittags). Das Programm ist ambitioniert, viel französische Filme, aber auch internationale kleine Produktionen, die vermutlich kein großes Publikum finden, werden hier in zwei Sälen gezeigt. Nur ab und zu, vermutlich, um nicht einzugehen, gibt es Blockbuster à la ‚Harry Potter‘. ‚Betty Blue‘ war wahrscheinlich der Lieblingsfilm des Besitzers, denn der lief monatelang im Sonntagsmatiné, und zur Zeit läuft nebenbei ein Charles-Bronson-Festival … warum auch nicht, Mut zum Ausgefallenen. Ich hoffe, das Kino gibt es noch lange, obwohl es bestimmt schwierig ist, es zu halten.